Ein Weihnachts- und Neujahrsgruß
an die Kunden und Freunde unseres Institutes
in Jahr nach dem 11. September: Der menschenverachtende
Terroranschlag hat zum Nachdenken und zum Handeln veranlasst.
Das Wort Terror ist in aller Munde auf Seiten der zivilisierten
Welt, aber auch jenseits davon und (kleinere) Nachahmungsversuche
- Russland - sind gescheitert. Gleichzeitig ist Säbelrasseln
nicht zu überhören und spaltet die Menschen,
weil Krieg nicht notwendigerweise das Mittel ist, das
den Zweck heilig macht.
Die Wirtschaft kommt nicht recht in Schwung,
weder bei uns in Europa noch auf anderen Kontinenten.
Der wohl als ein Zeichen der großen Freiheit uns
von jenseits des großen Teiches infizierte Aktienboom
und der naive Glaube vom schnellen Geld hat mittlerweile
Ernüchterung gebracht. Die Haushalte in den EU-Staaten,
vor allem der großen, sind durcheinandergebracht,
die großen Wirtschaftslokomotiven fahren fast mit
letzter Kraft, was allerdings erst nach Wahlen sichtbar
gemacht wird.
Die Bauwirtschaft lahmt, es heißt
der Markt sei gesättigt, es gibt zu wenig öffentliche
Aufträge, weil der Staat eine leere Kassa hat. Wenn
es Umsatzzuwächse gibt, holt sie die Bauwirtschaft
im Ausland.
Auch die Arbeitslosenquote gibt zur Sorge
Anlass, überhaupt im Ausland, aber auch bei uns,
weil sie leicht steigt. Bei einem Fachkolloquium im Herbst
äußerte der Wirtschaftsforscher Kramer die
Sorge, dass bei einem Wirtschaftswachstum von nicht über
1 % des BIP die Arbeitslosigkeit steigen wird.
Der Wohlstandsstaat braucht dringend Reformen,
z. B. auch im Pensionsbereich. Die Wirtschaft soll dazu
animiert werden die Menschen länger zu beschäftigen,
gleichzeitig werden im öffentlichen Bereich Beamte
mit "Zuckerlbedingungen" frühzeitig in
die Pension genötigt. Letzteres wohl um das Bild
einer schlanken Verwaltung nach außen zu schönen,
weil die Kosten der Pensionen nicht eingerechnet werden.
Die öffentlichen Bauherren vergeben
ihre Aufträge zunehmend an Generalunternehmer und
die Umsetzungskontrolle entgleitet. Schon wird sichtbar,
dass die viel gepriesene Qualität unserer Gewerke
darunter leidet und die nächste Generation unnotwendigerweise
unsere Bauwerke früher instandsetzen oder erneuern
muß als bisher. Politisch betrachtet kann man dem
sogar etwas abgewinnen: Wenn die Lebensdauer unserer Gewerke
kürzer wird, kommt für die nächste Generation
früher neue Arbeit auf sie zu. Schmerzhaft ist es
für den Bautechniker und dem akkreditierten unabhängigen
Bewerter: Wir wüssten, wie man die Qualität
um den gleichen Preis bei gleichen technischen Inhalten
besser machen könnte, aber der Weg dahin ist vielfach
versperrt. Der Weg wird bestenfalls frei gegeben, wenn
der spektakuläre Schaden schon eingetreten ist.
Diese Aussagen erscheinen nicht sehr aufmunternd.
Vergleicht man die angesprochene wirtschaftliche Situation
jedoch mit der Realität in der Bautechnischen Versuchs-
und Forschungsanstalt Salzburg kann sie nicht bestätigt
werden. Die Zahl der Aufträge bis November 2002 hat
die Zahl der Jahresaufträge in den Jahren 2001 und
2000 bereits überschritten, die Zahl der offenen
Aufträge war noch nie so hoch wie zuvor. Ende November
war der Auftragspolster um 22% größer als 2001
und sogar um 50% größer als 2000. Ob unter
dem Druck der Mitbewerber das Ergebnis ebenso erfreulicher
wird, wird sich zeigen.
Mit diesem Brief ist es auch an der Zeit
einen Blick in die Zukunft zu werfen und diesen mit einem
Rückblick in die Vergangenheit zu verbinden. Ein
Generationenwechsel findet in der bvfs statt. Ich selbst
werde nach 34-jähriger Tätigkeit, davon 20 Jahre
als Geschäftsführer und Institutsvorstand, Ende
Feber neben anderen lieben Kollegen aus der bvfs ausscheiden
und in den Ruhestand treten. Ich scheide, wie der Volksmund
so schön sagt, mit einem weinendem und einem lachendem
Auge. Mit einem weinendem, weil mir das Haus ans Herz
gewachsen ist und meine "große berufliche Liebe"
war und ist. Schön mitzuerleben, schon in den Zeiten
mit meinem Vorgänger BauR h.c. Dipl.-Ing. C. H. Beyrer
beginnend, wie sich ursprüngliche vier Mitarbeiter
gewissermaßen verzwölffacht haben, im Institut
durch drei große Bauprojekte für so viele Mitarbeiter
Arbeitsplätze geschaffen wurden, aber es war auch
wunderbar stets der technischen Wahrheit gedient zuhaben.
Fast ist man als Bauingenieur versucht philosophisch zu
sagen, dass es in der täglichen Berufsarbeit stets
um die Wahrheitsfindung, technisch auch Objektivität
apostrophiert, ging. Und genau so schön war es oft
viel später bestätigt zu hören, dass der
beschrittene Weg der Wahrheit und Objektivität der
einzig richtige sei. Dies auch dann, wenn mitunter im
Augenblick des Geschehens vielleicht die Wahrheit unwahr
erschien. Forschung und Prüfung als Elemente naturwissenschaftlicher
Zusammenhänge kennen keine subjektive Interessensorientiertheit.
Mit mir im Boote des neuen Lebensabschnittes
sitzen gleichaltrige Kollegen, zwischenzeitlich zu guten
Freunden geworden, die mit ihrer Kraft die Zielsetzungen
des Institutes immer mitgetragen haben. Der Leiter unserer
Abteilung "Bitumen und Asphaltbau", Herr Dipl.-Ing.
Dr. D.-A. Pohl und der Leiter unserer Abteilung "Geotechnik"
Herr BauR h.c. Dipl.-Ing. Dr. H. Breymann übergeben
mit mir die Verantwortung der nächsten Generation.
Auch in unserer Verwaltung hat es Änderungen
gegeben: Meine langjährige Sekretärin und Mitstreiterin
Frau E. Wimmer und mein ebenso langjähriger
Leiter der Buchhaltungs- und Personalabteilung Herr L.
Morstein sind in den Ruhestand getreten. Diese ebenso
wichtigen Positionen in einem Institut haben vielfach
unmerklich im Hintergrund für den reibungslosen Ablauf
der Geschäfte gesorgt. Mitunter habe ich sogar meiner
lieben Frau geraten im Sekretariat meinen genauen Terminkalender
zu hinterfragen, wenn Unsicherheiten aufgetreten sind.
Und wer Betriebswirtschaft kennt oder zumindest einen
natürlichen Instinkt dafür hat, wie ich mir
dies einbilde, weiß sehr genau was perfekte Buchhaltung
und geordnete Finanzen bedeuten.
Wer unser Institut kennt, weiß schon
längst, dass diese personellen Veränderungen
bereits langjährig vorbereitet wurden. Umso größer
daher ist die Freude, wenn tatkräftiges jüngeres
und erfahreneres Personal nunmehr das Szepter in die Hand
nimmt.
Der Vorstand des Gemeinnützigen Vereins
für bautechnische Versuchs- und Forschungsarbeiten
Salzburg (vbvfs) hat schon Anfang 2002 zu meiner großen
Freude den Abteilungsleiter Dipl.-Ing. N. Glantschnigg
als meinen Nachfolger bestellt. Ich denke, die Wahl hätte
auf keinen besseren und würdigeren Menschen fallen
können. Kollege Glantschnigg ist ein perfekter
naturwissenschaftlicher Analyst und Fachmann mit unendlich
viel Kompetenz in Personalführung und Entscheidungsfindung.
Dass er mir zwischenzeitlich auch zu einem sehr guten
Freunde wurde, ist zwar fachlich nicht vorrangig, bezeugt
aber die Verbundenheit und Zuneigung zum Haus und Beruf.
Das lachende Auge gibt es aber auch für
meinen neuen Lebensabschnitt, der zu einem neuen Zustand
der "großen Freiheit", ähnlich dem
eines Seefahrer, führt. Die im Leben erfahrene und
bereichernde Weisheit von einer Gesellschaft, die offen
und tolerant ist, möchte ich auch künftig weitertragen.
Offenheit und Toleranz sind unabdingbare wesentliche Elemente
des beruflichen und privaten Lebens.
Natürlich gibt es auch eine Reihe von
großen Plänen in der bvfs. Es sind durchwegs
Pläne, die die Zukunft des Institutes betreffen und
denen Analysen aus der Vergangenheit zugrunde liegen.
Sie beinhalten Erweiterungen einzelner, aber auch Aufnahme
neuer Geschäftsfelder, durchaus über den Horizont
mehrerer Jahre blickend. In Österreich hat der Bund
unter dem Druck der EU signalisiert solche Projekte zu
unterstützen, damit Österreich nicht wegen der
zu niedrigen Forschungsquote ins Abseits gedrängt
wird. Das ist eine echte Herausforderung für die
Menschen, für uns naturwissenschaftliche Techniker
und Denker!
Mit diesem beruflich letzten Weihnachts-
und Neujahrsgruß entbiete ich allen unseren Kunden,
Kollegen, Freunden - selbstverständlich auch der
ganzen bvfs-Crew - Gesundheit und Wohlergehen und natürlich
viel Erfolg für das neue Jahr 2003 und ff!
Und: Die bvfs ist auch in Zukunft immer
für Sie da!
BauR h.c. Dipl.-Ing. Herbert Kaltenböck
Institutsvorstand