Bautechnische Versuchs- und Forschungsansatlt Salzburg
Bautechnische Versuchs- und Forschungsanstalt Salzburg
Akkreditierte Prüf-, Überwachungs- und Kalibrierstelle
Akkreditiert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten und das Österreichische Institut für Bautechnik nach
ÖNORM EN ISO/IEC 17025, ÖNORM / ÖVE EN 45004 - Notified Body Nr. 1086

 

Ein Weihnachts- und Neujahrsgruß an die Kunden und Freunde unseres Institutes

in Jahr nach dem 11. September: Der menschenverachtende Terroranschlag hat zum Nachdenken und zum Handeln veranlasst. Das Wort Terror ist in aller Munde auf Seiten der zivilisierten Welt, aber auch jenseits davon und (kleinere) Nachahmungsversuche - Russland - sind gescheitert. Gleichzeitig ist Säbelrasseln nicht zu überhören und spaltet die Menschen, weil Krieg nicht notwendigerweise das Mittel ist, das den Zweck heilig macht.

Die Wirtschaft kommt nicht recht in Schwung, weder bei uns in Europa noch auf anderen Kontinenten. Der wohl als ein Zeichen der großen Freiheit uns von jenseits des großen Teiches infizierte Aktienboom und der naive Glaube vom schnellen Geld hat mittlerweile Ernüchterung gebracht. Die Haushalte in den EU-Staaten, vor allem der großen, sind durcheinandergebracht, die großen Wirtschaftslokomotiven fahren fast mit letzter Kraft, was allerdings erst nach Wahlen sichtbar gemacht wird.

Die Bauwirtschaft lahmt, es heißt der Markt sei gesättigt, es gibt zu wenig öffentliche Aufträge, weil der Staat eine leere Kassa hat. Wenn es Umsatzzuwächse gibt, holt sie die Bauwirtschaft im Ausland.

Auch die Arbeitslosenquote gibt zur Sorge Anlass, überhaupt im Ausland, aber auch bei uns, weil sie leicht steigt. Bei einem Fachkolloquium im Herbst äußerte der Wirtschaftsforscher Kramer die Sorge, dass bei einem Wirtschaftswachstum von nicht über 1 % des BIP die Arbeitslosigkeit steigen wird.

Der Wohlstandsstaat braucht dringend Reformen, z. B. auch im Pensionsbereich. Die Wirtschaft soll dazu animiert werden die Menschen länger zu beschäftigen, gleichzeitig werden im öffentlichen Bereich Beamte mit "Zuckerlbedingungen" frühzeitig in die Pension genötigt. Letzteres wohl um das Bild einer schlanken Verwaltung nach außen zu schönen, weil die Kosten der Pensionen nicht eingerechnet werden.

Die öffentlichen Bauherren vergeben ihre Aufträge zunehmend an Generalunternehmer und die Umsetzungskontrolle entgleitet. Schon wird sichtbar, dass die viel gepriesene Qualität unserer Gewerke darunter leidet und die nächste Generation unnotwendigerweise unsere Bauwerke früher instandsetzen oder erneuern muß als bisher. Politisch betrachtet kann man dem sogar etwas abgewinnen: Wenn die Lebensdauer unserer Gewerke kürzer wird, kommt für die nächste Generation früher neue Arbeit auf sie zu. Schmerzhaft ist es für den Bautechniker und dem akkreditierten unabhängigen Bewerter: Wir wüssten, wie man die Qualität um den gleichen Preis bei gleichen technischen Inhalten besser machen könnte, aber der Weg dahin ist vielfach versperrt. Der Weg wird bestenfalls frei gegeben, wenn der spektakuläre Schaden schon eingetreten ist.

Diese Aussagen erscheinen nicht sehr aufmunternd. Vergleicht man die angesprochene wirtschaftliche Situation jedoch mit der Realität in der Bautechnischen Versuchs- und Forschungsanstalt Salzburg kann sie nicht bestätigt werden. Die Zahl der Aufträge bis November 2002 hat die Zahl der Jahresaufträge in den Jahren 2001 und 2000 bereits überschritten, die Zahl der offenen Aufträge war noch nie so hoch wie zuvor. Ende November war der Auftragspolster um 22% größer als 2001 und sogar um 50% größer als 2000. Ob unter dem Druck der Mitbewerber das Ergebnis ebenso erfreulicher wird, wird sich zeigen.

Mit diesem Brief ist es auch an der Zeit einen Blick in die Zukunft zu werfen und diesen mit einem Rückblick in die Vergangenheit zu verbinden. Ein Generationenwechsel findet in der bvfs statt. Ich selbst werde nach 34-jähriger Tätigkeit, davon 20 Jahre als Geschäftsführer und Institutsvorstand, Ende Feber neben anderen lieben Kollegen aus der bvfs ausscheiden und in den Ruhestand treten. Ich scheide, wie der Volksmund so schön sagt, mit einem weinendem und einem lachendem Auge. Mit einem weinendem, weil mir das Haus ans Herz gewachsen ist und meine "große berufliche Liebe" war und ist. Schön mitzuerleben, schon in den Zeiten mit meinem Vorgänger BauR h.c. Dipl.-Ing. C. H. Beyrer beginnend, wie sich ursprüngliche vier Mitarbeiter gewissermaßen verzwölffacht haben, im Institut durch drei große Bauprojekte für so viele Mitarbeiter Arbeitsplätze geschaffen wurden, aber es war auch wunderbar stets der technischen Wahrheit gedient zuhaben. Fast ist man als Bauingenieur versucht philosophisch zu sagen, dass es in der täglichen Berufsarbeit stets um die Wahrheitsfindung, technisch auch Objektivität apostrophiert, ging. Und genau so schön war es oft viel später bestätigt zu hören, dass der beschrittene Weg der Wahrheit und Objektivität der einzig richtige sei. Dies auch dann, wenn mitunter im Augenblick des Geschehens vielleicht die Wahrheit unwahr erschien. Forschung und Prüfung als Elemente naturwissenschaftlicher Zusammenhänge kennen keine subjektive Interessensorientiertheit.

Mit mir im Boote des neuen Lebensabschnittes sitzen gleichaltrige Kollegen, zwischenzeitlich zu guten Freunden geworden, die mit ihrer Kraft die Zielsetzungen des Institutes immer mitgetragen haben. Der Leiter unserer Abteilung "Bitumen und Asphaltbau", Herr Dipl.-Ing. Dr. D.-A. Pohl und der Leiter unserer Abteilung "Geotechnik" Herr BauR h.c. Dipl.-Ing. Dr. H. Breymann übergeben mit mir die Verantwortung der nächsten Generation.

Auch in unserer Verwaltung hat es Änderungen gegeben: Meine langjährige Sekretärin und Mitstreiterin Frau E. Wimmer und mein ebenso langjähriger Leiter der Buchhaltungs- und Personalabteilung Herr L. Morstein sind in den Ruhestand getreten. Diese ebenso wichtigen Positionen in einem Institut haben vielfach unmerklich im Hintergrund für den reibungslosen Ablauf der Geschäfte gesorgt. Mitunter habe ich sogar meiner lieben Frau geraten im Sekretariat meinen genauen Terminkalender zu hinterfragen, wenn Unsicherheiten aufgetreten sind. Und wer Betriebswirtschaft kennt oder zumindest einen natürlichen Instinkt dafür hat, wie ich mir dies einbilde, weiß sehr genau was perfekte Buchhaltung und geordnete Finanzen bedeuten.

Wer unser Institut kennt, weiß schon längst, dass diese personellen Veränderungen bereits langjährig vorbereitet wurden. Umso größer daher ist die Freude, wenn tatkräftiges jüngeres und erfahreneres Personal nunmehr das Szepter in die Hand nimmt.

Der Vorstand des Gemeinnützigen Vereins für bautechnische Versuchs- und Forschungsarbeiten Salzburg (vbvfs) hat schon Anfang 2002 zu meiner großen Freude den Abteilungsleiter Dipl.-Ing. N. Glantschnigg als meinen Nachfolger bestellt. Ich denke, die Wahl hätte auf keinen besseren und würdigeren Menschen fallen können. Kollege Glantschnigg ist ein perfekter naturwissenschaftlicher Analyst und Fachmann mit unendlich viel Kompetenz in Personalführung und Entscheidungsfindung. Dass er mir zwischenzeitlich auch zu einem sehr guten Freunde wurde, ist zwar fachlich nicht vorrangig, bezeugt aber die Verbundenheit und Zuneigung zum Haus und Beruf.

Das lachende Auge gibt es aber auch für meinen neuen Lebensabschnitt, der zu einem neuen Zustand der "großen Freiheit", ähnlich dem eines Seefahrer, führt. Die im Leben erfahrene und bereichernde Weisheit von einer Gesellschaft, die offen und tolerant ist, möchte ich auch künftig weitertragen. Offenheit und Toleranz sind unabdingbare wesentliche Elemente des beruflichen und privaten Lebens.

Natürlich gibt es auch eine Reihe von großen Plänen in der bvfs. Es sind durchwegs Pläne, die die Zukunft des Institutes betreffen und denen Analysen aus der Vergangenheit zugrunde liegen. Sie beinhalten Erweiterungen einzelner, aber auch Aufnahme neuer Geschäftsfelder, durchaus über den Horizont mehrerer Jahre blickend. In Österreich hat der Bund unter dem Druck der EU signalisiert solche Projekte zu unterstützen, damit Österreich nicht wegen der zu niedrigen Forschungsquote ins Abseits gedrängt wird. Das ist eine echte Herausforderung für die Menschen, für uns naturwissenschaftliche Techniker und Denker!

Mit diesem beruflich letzten Weihnachts- und Neujahrsgruß entbiete ich allen unseren Kunden, Kollegen, Freunden - selbstverständlich auch der ganzen bvfs-Crew - Gesundheit und Wohlergehen und natürlich viel Erfolg für das neue Jahr 2003 und ff!

Und: Die bvfs ist auch in Zukunft immer für Sie da!

BauR h.c. Dipl.-Ing. Herbert Kaltenböck

Institutsvorstand

Jahreswechsel 2002/2003

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