Bautechnische Versuchs- und Forschungsansatlt Salzburg
Bautechnische Versuchs- und Forschungsanstalt Salzburg
Akkreditierte Prüf-, Überwachungs- und Kalibrierstelle
Akkreditiert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten und das Österreichische Institut für Bautechnik (OIB) nach
ÖVE/ÖNORM EN ISO/IEC 17025, EN 45004 - Notified Body Nr. 1086

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© 01/2000 BauR h.c. Dipl.-Ing. Herbert Kaltenböck

WEISSE WANNEN
- nach ÖBV-Richtlinie

1.

Allgemeines

2.

Klassifizierung

3.

Anforderungen an die Betonausgangsstoffe

3.1 Zement

3.2 Zusatzstoffe
3.3 Zuschläge
3.4 Zugabewasser
3.5 Zusatzmittel
4. Betonsorte und Betonstandards

5.

Betonprüfung
5.1 Nachweis der Anforderungen
5.2 Eignungsprüfungen
5.3 Güteprüfung
Korrespondenz

1. Allgemeines

Der Österreichische Betonverein hat im März 1999 eine Richtlinie unter dem Titel „Wasserundurchlässige Betonbauwerke - Weiße Wannen", die sich mit den konstruktiven und betontechnologischen Maßnahmen beschäftigt. Die vorliegende Darstellung befaßt sich mit den betontechnologischen Teil für den Betonhersteller.

Unter „Weissen Wannen" versteht man wasserundurchlässige Betonbauwerke, die neben ihrer tragenden Funktion auch eine abdichtende Funktion gegenüber Wasser aufweisen. Sie erhalten keine zusätzlichen Abdichtungen.

2. Klassifizierung

Es wird unterschieden zwischen

  • Anforderungsklassen

  • Konstruktionsklassen für geschalte Stahlbetonbauteile

  • Wasserdruckklassen

  • Fugenbandklassen

Die Anforderungen der einzelnen Klassen sind in den nachfolgenden Tafeln 1 bis 3 wiedergegeben.

Tafel 1: Anforderungsklassen

An-
forder-
ungs-
klasse

Kurz-
be-
zeichnung

Beschreibung der Beton-
oberfläche

Beurteilung der Feuchtigkeits-
stellen

Zulässige Fehlstellen (Feuchtig-
keitsstellen, Risse usw.) an der Beton-
oberfläche

Zusatz-
maßnahmen

An-
wendungs-
beispiele

Bau-
weisen

As

Sonder-
klasse

vollständig trocken

Keine visuell feststellbaren Feuchtstellen (Dunkelfärbung) erkennbar

  

  

bau-
physikalische Untersuchung und Konditi-
onierung/
Klimatisierung des Raumes unbedingt erforderlich

Lager für besonders feuchte-
emfpindliche Güter

„Weiße Wanne" im Sinne der Richt-
linie

  

A1

weitgehend trocken

Visuell einzelne feststellbare Feuchtigkeits-
stellen (max. matte Dunkelfärbung)

Nach Berühren mit der trockenen Hand (flächenhaft) sind an der Hand keine Wasserspuren zu erkennen

1 ‰ der Bauteilober-
fläche als Feuchtigkeits-
stellen zulässig. Wasserfahnen, die nach max. 20 cm abtrocknen

Es ist eine bauphysi- kalische Untersuchung erforderlich, derzufolge eine Konditi-
onierung/ Klimatisierung des Raumes erforderlich sein kann (z.B. bei.. langem Aufenthalt von Menschen)

Verkehrs-
bauwerke mit hohen Anforderungen. Aufenthalts-
räume, Lager, Hauskeller (Einlagerungs-
räume), Haustechnik-
räume mit besonderen Anforderungen

Dichte Schlitz-
wände gem. ÖBV Richt-
linie

 

 

A2

leicht feucht

Visuell und manuell feststellbare einzelne glänzende Feuchtigkeits-
stellen an der

Keine Mengen-
messung von ablaufenden Wasser möglich. Nach Berühren mit der Hand sind daran wasserspuren erkennbar.

1 % der Bauteilober-
fläche als Feuchtigkeits-
stelle zulässig. Einzelne Wasserfahnen, die an der Beton-
oberfläche des jeweiligen Bauteiles abtrocknen.

In Sonderfällen kann eine Konditi-
onierung/
Klimatisierung notwendig sein.

Garagen, Haustechnik-
räume (z.B. Heizräume, Kollektoren), Verkehrs-
bauwerke

A3

feucht

Tropfenweiser Wasseraustritt mit Bildung- von - Wasser-
schlieren

Das ablaufende Wasser kann in Auffang-
gefäßen mengenmäßig gemessen werden.

Für Wände, Bodenplatten und Schlitzwände gilt: die maximale Wassermenge pro Fehlstelle bzw. lfm Schlitzwand-
arbeitsfuge darf 0,2 l/h nicht überschreiten, wobei der Wasser-
durchtritt pro m2 Wand im Mittel 0,01 l/h nicht überschreiten darf 1)

Ent-
wässerungs-
maßnahmen vorsehen

Garagen (mit Zusatz-
maßnahmen, z.B. Entwässerungs-
rinnen) etc.

  

A4

naß

Einzeln rinnende Wasseraustritts-
stellen für Bodenplatten, Wände und

Schlitzwände

Das ablaufende Wasser kann in Auffang-
gefäßen mengenmäßig gemessen werden.

Die max. Wassermenge pro Fehlstelle darf 2 l/h nicht überschreiten, wobei der Wasser-
durchtritt pro m2 Wand im Mittel 1l/h nicht überschreiten darf. 1)

Ent-
wässerungs-
massnahmen vorsehen

Außenschale der zweischaligen Bauweise

  

1) Die Mittelbildung darf sich nur auf die von außen benetzte Wandfläche zwischen Bemessungswasserstand und Unterkante des betrachteten Bauteils beziehen.

 

 

 

 

Tafel 2: Konstruktionsklassen für geschalte Stahlbetonbauteile

Konstruktions-
klasse

min. Bauteildicke 1) 2) (m)

Bemessung auf Zwang

Bemessung auf Last

Beton-
standard

Sonstige konstruktive
Erfordernisse

Kons

>= 0,45

>= 0,60 für W2

Siehe Darstellung in ÖBV Richtlinie

Rißbreiten-
beschränkung auf
<= 0,15 mm

BS 1

Maximale Bauteillängen:
Abstände der - Denhnfugen, Raumfugen: <= 15 m
- Arbeitsfugen in den Wänden <= 10 m
Einbau von Gleitfolien als Trennung von Außen- und Innenschale erforderlich, eventuell Vorspannung vorsehen, eventuell doppelte Fugenbandführung, Vermeidung von Höhensprüngen, Vermeindung von Bewegungs-
verhinderungen durch Kontakt mit der Umgebung

Kon1

>= 0,35

>= 0,60 für W4

Siehe Darstellung in ÖBV Richtlinie

Rißbreiten-
beschränkung auf
<= 0,20 mm

BS 1

Empfohlene Bauteillängen:
Abstände der - Dehnfugen, Raumfugen: 15 bis 30 m
- Arbeitsfugen in den Wänden <= 15 m
Höhensprünge angerampt, Neigung ca. 30º, Einlage von Trennfolien empfohlen. Anordnung von Temperatur- und Schwindfeldern. Bei Ausführung als Verbundsystem (enge Verzahnung mit einer Außenwand) Blocklänge <= 40,0 m.

Kon2

>= 0,350

  

Rißbreiten-
beschränkung auf
<= 0,25 mm

BS 2

Empfohlene Bauteillängen:
Abstände der - Dehnfugen, Raumfugen: 30 bis 60 m
- Arbeitsfugen in den Wänden <= 15 m
Kontakt mit der Umgebung zugelassen, Blockteilung bei Querschnitts- bzw. Steifigkeitsänderungen, Höhensprünge sind konstruktiv zu beachten (Anrampung Neigung ca. 30º Trennung etc.), Anordnung von Temperatur- und Schwindfeldern

1) ohne Berücksichtigung der statischen, herstellungstechnischen und konstruktiven Erfordernisse
2) W1, W2.......Wasserdruckklassen

Tafel 3: Wasserdruckklassen

Wasserdruckklasse 1)

Beschreibung

W0

Wasserdruck 0,0 - 1,0 m

W1

Wasserdruck > 1,0 - 5,0 m

W2

Wasserdruck > 5,0 - 10,0 m

W3

Wasserdruck > 10,0 - 20,0 m

W4

Wasserdruck >20,0

1) Zur Festlegung der Wasserdruckklasse ist der Wasserdruck auf die UK des betrachteten Bauteils zu beziehen. Für die obere Grenze ist der Bemessungswasserstand anzusetzen. Bei hohen Wänden sind Abstufungen der Wasserdruckklassen zugelassen.

Tafel 4/1 und 4/2: Dimensionierung der Fugenbänder (Fugenbandklassen)

Profile für innenliegende Arbeitsfugenbänder

Wasserdruckklasse

Fugenbandklasse

Material

Mindestbreite
cm

Mindestdicke mm

Wo/W1

1

PVC; PVC/NBR

24

3,5

   

 

Elastomer

24

8

  

  

Fugenblech

30

2

  

  

Quellprofil

2

7

W2/W3

2

PVC; PVC/NBR

32

4,5

  

  

Elastomer

32

8

  

  

Fugenblech

35

2

W4

3

PVC; PVC/NBR

50

6

  

  

Elastomer

50

10

  

  

Fugenblech

50

2

Profile für innenliegende Bewegungsfugenbänder

Wasserdruckklasse

Fugenbandklasse

Material

Mindestbreite
cm

Mindestdicke mm

Wo/W1

1

PVC; PVC/NBR

24

4

  

  

Elastomer

24

9

W2/W3

2

PVC; PVC/NBR

32

5

  

  

Elastomer

32

12

  

  

Elastomer/Fugen-blech

32

10/1

W4

3

PVC; PVC/NBR

50

6

  

  

Elastomer

50

13

  

  

Elastomer/Fugen-blech

50

12/1

Zwischen Anforderungsklasse, Wasserdruck, Konstruktionsklasse und Fugenbandklasse ist der in Grafik 1 dargestellter Zusammenhang anzuwenden.

Weisse Wanne - Wasserundurchlässiger Beton

3. Anforderungen an die Betonausgangsstoffe

3.1 Zement

Der Zement muß der ÖNORM B 3310 entsprechen. Zusätzlich gelten die Anforderungen der unterstehenden Tafel 5.

Tafel 5: Anforderungen an den Zement bei Weißen Wannen nach Richtlinie ÖBV:

Eigenschaft

Anforderung

Erstarrungsbeginn

1,5 bis 4 Stunden

Mahlfeinheit nach Blaine

> 2500 cm2 für C3A-freien Zement
> 3200 cm2 für übrige Zemente
Max. Schwankung: ± 200 cm2/g bei Eigenüberwachung
± 300 cm2/g bei Fremdüberwachung

Wärmeentwicklung

Bei Betonstandard 1: max. 33 K, nur PZ HS und C3A-freier Zement verwendbar
Bei Betonstandard 2: max 38 K

Wasserabsonderung

<= 20 cm3
bei Wärmentwicklung < 33 K jedoch <= 25 cm3

Druckfestigkeit

5%-Fraktile für 1 d >= 7 N/mm2
5%-Fraktile für 28 d >= 38 N/mm2
für 28 d Druckfestigkeit Standardabweichung
<= 3,0 N/mm2

Sulfatbeständigkeit

C3A-freie Zement, wenn Wasser SO4-2 Gehalt > 600 mg/l

Zementtemperatur

Im Zementwerk bei BS 1: <= 70 ºC
bei BS 2: <= 80 ºC
beim Umblasen in Zementsilo der Baustelle:
<= 70 ºC

 

3.2 Zusatzstoffe

An die Zusatzstoffe werden die Anforderungen der Tafel 6 gestellt.

Tafel 6: Anforderungen an Zusatzstoffe

Merkmal

Anforderung

Flugasche

ÖNORM B 3309, Blainewert >= 4500 cm2/g, Standardabweichung <= 250 cm2/g

Hüttensand

ÖNORM B 3309, Blainewert >= 3500 cm2/g, Standardabweichung <= 250 cm2/g

Kombinationsprodukte

ÖNORM B 3309

Gesamtgehalt an Zumahlstoffen (Flugasche, Hüttensand, Kalkstein) und Zusatzstoffen (Flugasche, Hüttensand)

<= 35 % der Bindemittelmenge; für den Zement sind die höchstzulässigen Anteile anzusetzen

Berechnung W/Z-Wert (W/B-Wert)

Wasser / (Zement + 0,8 * Zusatzstoff)

Microsilica

4 - 8 M.-% des Zementes

 

3.3 Zuschläge

Es gelten die Anforderungen der ÖNORM B 4200, Teil 10 für die entsprechende Betonsorte. Für frost- tausalz-beständigen Beton hat der Nachweis der Verwendungsklasse I durch Nachweis der Frostbeständigkeit nach ÖN0RM B 3304 zu erfolgen.

Der Anteil an Abschlämmbarem (Anteil unter 0,06 mm) darf jedoch bei karbonatischem Kantkorn erhöht werden, wenn in der Eignungsprüfung nachgewiesen wird, daß der bei der höchsten Menge an Abschlämmbaren erforderliche wirksame Wassergehalt für die Verarbeitbarkeit eingehalten wird.

3.4 Zugabewasser

Die Beurteilung des Anmachwassers bei Weissen Wannen erfolgt nach Tafel 7.

Tafel 7: Beurteilung des Anmachwassers bei Weissen Wannen

Parameter

Prüfverfahren
(Temperatur 15 bis 25 ºC)

Anforderung
Grenzwert

Farbe

Visuelle Prüfung im Meßzylinder vor weißem Hintergrund 1)

< schwach gelblich

Öle und Fette

Visuell

nur Spuren

Schwebstoffe

100 ml Meßzylinder mit 80 ml Wasserprobe

< 4 ml (5,0 Vol.%)

Geruch

80 ml Wasserprobe mit 0,5 ml Salzsäure ansäuern

kein Geruch von Schwefelwasserstoff

pH-Wert

Indikatorstreifen

> 4

Reinigungsmittel (Detergenzien)

80 ml Wasserprobe in 100 ml Meßzylinder kräftig schütteln

nach < 2 Min. keine Schaumbildung mehr

Huminstoffe

5 ml Wasserprobe mit 5 ml 3 %-iger NaOH-Lösung vermischen

< schwach gelblich-braun nach 3 Minuten

1) Nach Absetzen der Schwebstoffe

Die Grenzwerte für schädliche Stoffe des Anmachwassers für Weisse Wannen sind in Tafel 8 wiedergegeben.

Tafel 8: Grenzwerte für schädliche Stoffe des Anmachwassers

Parameter

Prüfverfahren

Grenzwerte in mg/l

Chlorid (Cl)

ISO 9297 1)

bewehreter Beton < 1000

  

  

unbewehrter Beton <= 4500

Sulfate (SO4 2-)

ISO 9280 1)

<= 2000

Phosphate (PsO3)

2)

<= 100

Nitrate (NO3)

ISO 7890-1 1)

< 500

Blei (Pb2+)

2)

< 100

Zink (Zu 2+)

2)

< 100

Zucker (Glukose)

2)

< 100

NaO2-Äquivalent

ISO 9964

< 1500 3)

1) Für die Schnellprüfung sind Indikatorstreifen ausreichend
2)
Indikatorstreifen
3) Nur relevant bei Verwendung von alkali-empfindlichen Zuschlag

 

3.5 Zusatzmittel

Die Wirksamkeit der Betonzusatzmittel und die Verträglichkeit untereinander, ist in der Eignungsprüfung zu untersuchen und muß auch bei der Güteprüfung beurteilt werden.

Für die angewendeten Zusatzmittel müssen Zulassungen, Prüfberichte und Prüfzeugnisse gemäß den Anforderungen der technischen Vorschriften (Tafel 9) vorliegen, die nicht älter als 3 Jahre sind. Wird in den Vorschriften eine Fremdüberwachung gefordert, sind die entsprechenden aktuellen Überwachungsberichte vorzulegen.

Tafel 9: Anzuwendende Regelwerke für Zusatzmittel

Zusatzmittel

Kurzbezeichnung

Regelwerk

Verflüssiger

BV

ÖNORM B 3333

Fleißmittel

FM

Richtlinie ÖBV (1977)

Luftporenbildender Verflüssiger

LPV

Richtlinie ÖBV (1999)

Luftporenmittel

LP

RVS 8.01.71 (19989)

Bei allen anderen Zusatzmitteln ist die Chloridfreiheit im Abstand von maximal 2 Jahren nachzuweisen.

Ist die Konsistenz des Betons auf der Baustelle nicht ausreichend, darf Verflüssiger bis zur maximal zulässigen Dosierung nachdosiert werden, wobei die bereits im Mischwerk zugegebene Menge zu berücksichtigen ist.

 

4. Betonsorte und Betonstandards

Bei der Herstellung von „Weissen Wannen" gilt grundsätzlich die Betonnorm ÖNORM B 4200, Teil 10 und ist die Betonsorte danach festzulegen. Aus den besonderen technischen Anforderungen sind darüber hinausgebende Kriterien zu beachten, die im sogenannten Betonstandard ihren Niederschlag finden. Es gibt grundsätzlich 2 Betonstandards, die durch die in Tafel 10 angegebenen Merkmale charakterisiert sind:

Tafel 10: Betonstandards

  

Betonstandard

BS1

BS2

Zement C3A-frei 
Δ T

vorgeschrieben
<= 33 K

empfohlen
<= 38 K

Bindemittel Δ T

<= 27 K

<= 33 K

Luftgehalt für FB-Beton

Luftgehalt für FTB-Beton

BV + LP,

LPV,
LP

2,0 bis 5,0 % vorgeschrieben

4,5 bis 7,0 % vorgeschrieben

2,0 bis 5,0 % empfohlen

4,5 bis 7,0 % empfohlen

Mischanlage für Mikroprozessorsteuerung

vorgeschrieben

empfohlen

Frischbetontemperatur an der Einbaustelle

<= 22 EC 1)

<= 27 EC

Temperaturanstieg bei der Prüfung

für FB: <= 13 K

<= 17 K

  

für FTB: <= 15 K

-

Zu erwartende max. Betontemperatur

35 ºC

45 ºC

Maximal zulässige Betontemperatur

45 ºC

-

Nachweis der besonderen Eigenschaften

am Festbeton

nach ÖNORM B 4200, T. 10

1) Für Verkehrsbauwerke mit Wo <= 27 ºC

Bei den besonderen Eigenschaften und bei der Definition der Festigkeitsklasse gibt es geringfügige Abweichungen gegenüber den Anforderungen der Betonnorm, die sich wie in Tafel 11 darstellen.

Tafel 11: Anforderungen an Festigkeitsklasse und besondere Eigenschaften bei Weisse-Wannenbeton

Eigenschaft

Anforderung

Festigkeitsklasse

Nach Möglichkeit nicht über B 30/300;
Nachweis nach 56 Tagen möglich;
56-Tage-Nachweis erbracht, wenn W28 $ 0,9 W56

Wasserundurchlässigkeit (WU)

bei BS 1 Nachweis am erhärteten Beton, sonst am Frischbeton

Frostbeständigkeit (FB) / Witterungsbeständigkeit

mäßige Wassersättigung (z. B. bei vertikalen Flächen): W/B-Wert <=0,55, Bindemittelgehalt >=300 kg/m3
hohe Wassersättigung:
W/B-Wert <=0,55, Bindemittelgehalt >=300 kg/m3, Luftgehalt 2,0% bis 5,0%;
Zuschläge: stets Verwendungsklasse I
Nachweis der Witterungsbeständigkeit: Prüfung am Frischbeton
Nachweis der Frostbeständigkeit: ÖNORM B 3303 am Festbeton

Frost- und Tausalzbeständigkeit (FTB)

BS 1 empfohlen, Luftgehalt 4,5 - 7,0 % (GK32), AF <= 0,16 mm (Eignungsprüfung), AF <= 0,20 mm (Güteprüfung), Vorhaltemaß 6 N/mm2 bei 5,5% Luftgehalt;

Widerstandsfähigkeit gegen chem. Angriffe

Maßgeblich sind die langandauernden Belastungen, nicht z. B. kurzzeitige Belastungen durch Störfälle

TS TST

mindestens 3 zeitlich getrennte Probenahmen zur Beurteilung der Sulfatkonzentration;
bei SO4 2- > 600 mg/l: HS-Zement C3A-frei
SO4 2- 600-1000 mg/l = Bindemittelgehalt 270 - 320 kg/m3;
SO42- > 1000 mg/l = Bindemittelgehalt 320 - 340 kg/m3; Zusatzstoffe nur, wenn Sulfatbeständigkeit nachgewiesen.
Nachweis am erhärteten Beton:
bei TS Wassereindringtiefe <=50mm;
bei TST Wassereindringtiefe <=25mm;

LS, LST

karbonatarme Zuschläge; bei LST Zuschlag < 4 mm vorwiegend nicht karbonatisch (CO2-Gehalt <=10%)
Nachweis am erhärteten Beton:
bei LS Wassereindringtiefe <=50 mm;
bei LST Wassereindringtiefe <=25 mm;

Widerstandsfähigkeit gegen sehr starken chemischen Angriff

bei XA3 prEN206 bzw. AS3 (über 3000 mg/l SO4 2-) Hochleistungsbeton gem. ÖNORM B 5017

 

5. Betonprüfungen

Für den Gütenachweis gilt, soweit nachstehend nicht anders festgelegt, ÖNORM B 4200, Tei10. Bei Verwendung von Betonzusammensetzungen, die den Anforderungen der ÖNORM B 4200, Teil 10 für einen Nachweis am Frischbeton nicht entsprechen, hat der Nachweis am erhärteten Beton zu erfolgen.

Für BS 1 sind die besonderen Eigenschaften am erhärteten Beton nachzuweisen.

Wird der Nachweis der besonderen Eigenschaften über den erhärteten Beton durchgeführt, muß die Betonzusammensetzung so gewählt werden, daß bei der Eignungsprüfung (siehe Abschnitt 5.2) der für die Güteprüfung geforderte Wert, falls bei den einzelnen Prüfungen nicht anders angegeben, um mindestens 20 % unterschritten wird.

5.1 Nachweis der Anforderung

Zusätzlich zum Nachweis der Betonzusammensetzung sind bei der Eignungs- und Güteprüfung nachfolgende Nachweise zu erbringen.

Tafel 12: Nachweis für Fertigkeiten und besondere Eigenschaften bei Eignungs- und Güteprüfungen für Weisse-Wannenbetone.

Anforderung

Betonstandard 1

Betonstandard 2

 

Eignungs-
prüfung

Güteprüfung

Eignungs-
prüfung

Güteprüfung

Festigkeitsklasse

Festbeton

Festbeton

Festbeton

Festbeton

Wasserun-
durchlässigkeit

Wassereindringtiefe am Festbeton

Wassereindringtiefe am festbeton

gem. ÖNORM B 4200, Teil 10

gem. ÖNORM B 4200, Teil 10 Frischbeton

Frostbeständigkeit

Frostprüfung am Festbeton

Frostprüfung am Festbeton

Luftgehalt am Frischbeton

Witterungs-
beständigkeit

nicht angewendet (durch Frostprüfung erfüllt)

FB gem. ÖNORM B 4200, Teil 10 2) Frischbeton

FB gem. ÖNORM B 4200, Teil 10

chem. Angriff

Wassereindringtiefe am Festbeton

Wassereindringtiefe am Festbeton

gem. ÖNORM B 4200, Teil 10 Frischbeton

gem. ÖNORM B 4200, Teil 10 Frischbeton

Frost-Tausalz-
Beständigkeit (bei Bedarf)

Abstandsfaktor und LP-Gehalt am Festbeton 1)

Abstandsfaktor und LP-Gehalt am Festbeton

Abstandsfaktor und LP-Gehalt am Festbeton 1)

Luftgehalt am Frischbeton

1) Nachweis gem. 5.1.3.5 ÖBV Richtlinie 2) Nachweis gem. Anhang 2 ÖBV Richtlinie

 

5.2 Eignungsprüfung

In der Eignungsprüfung sind die Einhaltung der Bestimmungen dieser Richtlinie nachzuweisen. Im besonderen wird die Zusammensetzung des Betons (Mischungsanteile) festgelegt.

Außer den festgelegten Bestimmungen ist nachzuweisen:

* der wirksame Wassergehalt

* das Ausbreitmaß 10 und 45 Minuten nach Wasserbeigabe

* die Frischbetonrohdichte 45 Minuten nach Wasserbeigabe

* der Luftgehalt 45 Minuten nach Wasserbeigabe

* Nachweise gem. Tafel 12

* der Temperaturanstieg gem. Anhang 1 der ÖBV-Richtlinie

Anmerkung: Unter der Kernfeuchte der Zuschläge wird jenes Wasser verstanden, das in den Poren und/oder im Schichtgitter von Zuschlägen aufgesaugt wird. Die Kernfeuchte von Zuschlägen wird in Anlehnung an ÖNORM B 4200, Teil 11 bestimmt. Die Kernfeuchte des Sandes 0/4 wird in Anlehnung an ASTM C 127/88 nach dem "Kegelstandsverfahren" bestimmt (Prüfmethoden für Kernfeuchte gemäß Anhang 4 der ÖBV-Richtlinie).

Unter dem wirksamen Wassergehalt versteht man die Differenz zwischen dem Gesamtwasser im Frischbeton und dem Wasser, das von den Zuschlägen aufgesaugt wird (Kernfeuchte). Ab einer Kernfeuchte von >= 0,5 M-% darf diese bei der Bestimmung des Wassergehaltes (bzw. W/Z-Wertes) beim Trocknen des Betons (z.B. Spiritusmethode) bis zur Gewichtskonstanz wie folgt berücksichtigt werden:

Anrechnung bei Kernfeuchte >= 0,5 M-%: gemessene Feuchtigkeit in M-% - 0,5 M-%.

5.3 Güteprüfung

Mit der Güteprüfung während der Bauausführung, wird der Nachweis erbracht, daß der für das Bauwerke verwendete Beton so zusammengesetzt ist, daß er bei einwandfreier Herstellung, Nachbehandlung und Lagerung die erforderlichen Eigenschaften erreicht. Hierfür findet die ÖNORM B 4200, Teil 10 Anwendung. Für den Nachweis der Betongüte ist das Bauwerk in Prüflose einzuteilen. Die Prüflosgröße ist in Abweichung zur ÖNORM B 4200, Teil 10 mit 250 m3 bzw. 1 Woche begrenzt. Dazu dürfen nur Bauteile bzw. Betonierabschnitte der gleichen Betonsorten zu einem Prüflos zusammengefaßt werden, die bei gleicher Wetterlage, innerhalb einer Woche hergestellt werden.

Bei Verwendung von Mischanlagen mit Mikroprozessorsteuerung und Statistik (bei BS 1 vorgeschrieben, bei BS 2 empfohlen) darf der Prüfumfang nach 5 Prüfungen mit positivem Ergebnis halbiert werden (Menge. max. 500 m3, Zeit: max. 2 Wochen).

Arten und Mindeshäufigkeiten der Prüfungen:

  • Kornzusammensetzung der Zuschläge (Gesamtsieblinie): 1 x je Prüflos

  • Frischbetonrohdichte bei jeder Luftgehaltsmessung

  • Konsistenzabweichung vom festgelegten Ausbreitmaß gem. Pkt. 5.1. 1. der ÖBV -Richtlinie 1 x je Betoniertag

  • Frischbetontemperatur, Lufttemperatur: 3 x je Betoniertag

  • Wassergehalt 1 x je Prüflos

Wenn bei Transportbeton den Betonlieferscheinen die jeweiligen Gesamtchargenprotokolle beiliegen und die Feuchtesonde der Mischanlage nachweislich monatlich kalibriert wird, kann der Wassergehalt daraus entnommen werden und der Nachweis auf der Baustelle entfallen.

  • Luftgehalt

  • für FB-Beton (2,0 - 5,0 %): 1 x pro Betoniertag

Wenn eine Mischanlage mit Mikroprozessorsteuerung und Statistik verwendet wird und der Luftgehalt nach 20 hintereinanderliegenden Messungen zwischen 2,5 % und 4,0 % liegt, braucht dieser nur mehr jeden zweiten Tag gemessen werden. Liegt der Luftgehalt nach weiteren 10 hintereinanderliegenden Messungen zwischen 2,5 % und 4,0 %, so ist dieser nur mehr einmal je Prüflos zu messen.

  • für FTB-Beton (4,5 - 7,0 %):

Baustellenmischanlagen: bei der Verarbeitung mindestens stündlich,
höchstens jedoch 10 x

  • Transportbeton: bei jedem Fahrzeug, jedoch nicht öfter als 10 x täglich.

Wenn der Luftgehalt nach 50 hintereinanderliegenden Messungen innerhalb von 5,0 % und 6,0 % liegt, kann die Prüfhäufigkeit auf 5 x täglich reduziert werden.
Bei Abweichung der Prüfergebnisse vom vorgeschriebenen Luftgehalt ist die Zugabemenge des Luftporenmittels für die weitere Herstellung sofort zu abzuändern, sodaß der geforderte Luftgehalt erreicht wird.

  • Druckfestigkeit: 1 x je Prüflos

Prüfung abwechselnd nach 28 und 56 Tagen.
Bei FTB-Beton werden Würfel mit 20 cm Seitenlänge empfohlen.

  • Besondere Eigenschaften am Festbeton gemäß Tab. 12 jedes 10. Prüflos

Bei besonderer Eigenschaft FTB sind dabei nur die Luftporenkennwerte nach ÖNORM B 3303 zu prüfen. Der Kugelporengehalt muß mindestens 2,5 % betragen. Der aus dem Kugelporengehalt errechnete Abstandsfaktor darf nicht größer als 0,20 mm sein.

  • Ausdruck des Statistik-Protokolls: 1 x je Prüflos

  • Temperaturverlauf: jedes 10. Prüflos

Messung des Temperaturverlaufes bis die Temperatur 10 °C unter den Höchstwert abgefallen ist.
Meßstelle:
Bei Lufttemperatur > 0 °C möglichst in Bauteilmitte, bei Lufttemperatur < 0 °C zusätzlich in l 10 cm Tiefe von der Betonoberfläche.

Korrespondenz:

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