Bautechnische Versuchs- und Forschungsansatlt Salzburg
Bautechnische Versuchs- und Forschungsanstalt Salzburg
Akkreditierte Prüf-, Überwachungs- und Kalibrierstelle
Akkreditiert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten und das Österreichische Institut für Bautechnik (OIB) nach
ÖVE/ÖNORM EN ISO/IEC 17025, EN 45004 - Notified Body Nr. 1086

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© 04/2005 Dipl.-Ing. Norbert Glantschnigg

WÄRMEDÄMM-VERBUNDSYSTEME (WDVS)
Vermeidung von Verarbeitungsmängeln


Für die wärmetechnische Ertüchtigung bei der Instandsetzung und Instandhaltung von Gebäuden des Wiederaufbaues (1945-1975) werden Außenwand-Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt und haben sich diese Systeme auch bewährt. Dabei wurden nicht nur Erfahrungen hinsichtlich der für die Dauerhaftigkeit der WDVS erforderlichen Baustoffeigenschaften gesammelt sondern auch über verschiedene Verarbeitungstechniken und deren Anwendungsgrenzen

Wärmedämm-Verbundsysteme, WDVS, Vermeidung von Verarbeitungsmängeln, Instandsetzung

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Österreich zählt zu den eifrigsten Anwendern von Wärmedämm-Verbundsystemen in der gesamten Europäischen Union und hat bereits vor zwei Jahrzehnten über nationale Normen für bestimmte Systeme und deren Systemkomponenten verfügt. Mit dem Erscheinen der Leitlinie für europäische technische Zulassungen von WDVS (ETAG 004) im Jahr 2000 wurden die österreichischen Bestimmungen nach und nach dieser europäischen Regelung angepasst und wurden nicht kompatible nationale Regelwerke zurückgezogen. Da die ETAG 004 nur für bestimmte Systeme und Untergründe Gültigkeit hat und auch keine Angaben über die Anwendung und Verarbeitung von WDVS beinhaltet wurden in den letzten Jahren neue ÖNORMEN für diese insbesondere zur Vermeidung von Ausführungsmängeln wichtigen Gebiete geschaffen. Weiters gilt in Österreich für WDVS nach wie vor eine Werkvertragsnorm. Die Regelwerke für WDVS stellen sich daher wie folgt dar:

Wärmedämm-Verbundsysteme, WDVS, Vermeidung von Verarbeitungsmängeln, Instandsetzung

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Zum Thema "Vermeidung von Ausführungsmängeln" muss man sich zunächst im Klaren darüber sein, dass Mängel nicht nur am System (Material und Ausführung) sondern auch am Untergrund, besonders an Anschlussdetails und auch an mechanischen Befestigungen (Verdübelungen) auftreten können. Betrachtet man die Systeme gemäß ETAG 004 an sich, so gibt diese Leitlinie zwar die Anforderungen für bestimmte Klassifizierungen wieder nicht aber welche Anwendungsklassen für welche Anwendungsgebiete tatsächlich geeignet sind, dafür ist die ÖNORM B6400 heranzuziehen:

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Für die Vermeidung von Mängeln (und Schäden) an Wärmedämm-Verbundsystemen ist zunächst ein geeignetes System auszuwählen, welches die in ÖNORM B6400 definierten Anwendungskriterien erfüllt. Dies sind:

  • Brandverhalten (ÖNORM B3806)
  • Stoßfestigkeit
  • Schallschutz
  • Widerstand gegen Windlasten

Die Anwendungskriterien in der ÖNORM B6400 berücksichtigen die in Österreich maßgeblichen Beanspruchungen, beispielsweise dürfen in Österreich nur Systeme mit einer Stoßfestigkeit der Kategorie I und II eingesetzt werden, weil nur diese dem zu berücksichtigenden Hagelschlag mit ausreichender Sicherheit widerstehen. Die bewährten Verarbeitungsregeln für Wärmedämm-Verbundsysteme sind in der ÖNORM B6410 enthalten. Diese ÖNORM gilt unter Berücksichtigung der ÖNORM B6400 für WDVS gemäß ETAG 004 und ist daher anzuwenden für Systeme aus

  • expandiertem Polystyrol-Partikelschaumstoff (EPS-F) und Deckschichte
  • Mineralwolle MW-PT und Deckschichte

Zunächst sind die Anforderungen an den Untergrund zu beachten und entsprechende Vorbereitungsmaßnahmen zu treffen:

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Hinsichtlich der Ausführung der WDVS gelten als Voraussetzungen:

  • entsprechender Untergrund
  • entsprechende Ausbildung der Anschlussdetails

Zur Vermeidung von Ausführungsmängeln ist die Ausführung von WDVS unzulässig bei:

  • Temperaturen unter + 5°C
  • Regen ohne Schutzmaßnahmen
  • Unterschreitung der Taupunkttemperatur
  • Direkte Sonneneinstrahlung (Herstellung der Deckschichte)

Die Verlegung der Dämmplatten hat im Verband so zu erfolgen, dass keine Plattenstöße an Ecken von Fenster- und Türöffnungen heranreichen, die Verklebung hat nach der Randwulst-Punkt-Methode zu erfolgen.

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Erfolgt die Verklebung nicht nach dieser Methode können Aufwölbungen, Schüsselungen und Risse auftreten:

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Die Befestigung der Dämmstoffplatten am Untergrund hat zu erfolgen:

  • durch Verklebung und Verdübelung bei:
    • EPS-F-Platten
    • MW-PT-Platten mit liegender Faser
  • nur durch Verklebung bei:
    • EPS-F-Platten auf neuwertigem Untergrund
      (Mauer- und Hochlochziegel, Hohl- und Vollblockziegel, Mantelbeton)
    • MW-PT-Platten mit stehender Faser
Bei der Instandsetzung und Instandhaltung von Gebäuden des Wiederaufbaues liegen keine neuwertigen Untergründe vor, ist daher zur Vermeidung von Ausführungsmängeln eine Verklebung und Verdübelung erforderlich. Welche Funktionen diese Verdübelung im WDVS zu erfüllen hat zeigen folgende Abbildungen:

Wärmedämm-Verbundsysteme, WDVS, Vermeidung von Verarbeitungsmängeln, Instandsetzung

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Beim Bohren der Dübellöcher ist folgendes zu beachten:

  • Bohren erst nach Erhärtung des Klebers
  • Durchmesser Bohrer = Durchmesser Dübelschaft
  • Schlagbohrer nur bei Beton und Vollziegel
  • Bohren von Hochlochziegel laut Angaben des Systemhalters
  • MW-PT-Platten mit stillstehendem Bohrer durchstoßen
  • Bohrlochtiefe muss Verankerungstiefe um mindestens 10mm überschreiten

Die mangelfreie Bohrlochherstellung ist nachfolgend dargestellt:

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In Abhängigkeit der Dämmstoffplatten empfiehlt die Verarbeitungsnorm für WDVS folgendes Verdübelungsschema:

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Es ist darauf zu achten, dass die Dübel oberflächenbündig mit dem Dämmstoff versetzt werden, in jedem Dübelbereich eine Kleberstelle unter dem Dämmstoff vorhanden ist, gestauchte, nicht festsitzende Dübel entfernt und die entstandenen Löcher verfüllt werden. Neben derartig entfernten Dübel sind natürlich neue Dübel zu setzen.

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Durch die richtige Dübelmontage oberflächenbündig mit dem Dämmstoff werden mangelhafte Deckschichtbereiche mit ungleichen Dicken und Dickensprüngen und daraus resultierender hoher Rissgefahr vermieden.

Wird in Sockelbereichen die Perimeterdämmung (erdberührte Dämmung von Kelleraußenwänden) hochgezogen so sind auch dort Verdübelungen erforderlich weil nur geklebte Sockelbereiche durch das Nachsitzen des Baugrubenhinterfüllungsmateriales mit nach unten gezogen werden können und dadurch Schäden im Übergangsbereich zwischen Sockel und WDVS auftreten wie folgende Abbildungen zeigen:

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Die Verdübelung der Sockelbereiche zählt ebenso zu den Maßnahmen zur Vermeidung von Verarbeitungsmängeln wie die richtige Ausbildung mit Abschlussprofil und Tropfkante:

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Zur Vermeidung von Verarbeitungsmängeln an der Deckschichte selbst sind zunächst die Unterputz-Schichtdicken einzuhalten und auch während der Verarbeitung zu überprüfen. Weiters muss das Textilglasgitter in richtiger Lage im Unterputz eingebracht, über Öffnungskanten geführt und an Fenster- und Türecken mit einer Diagonalbewehrung verstärkt werden.

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Eine wesentliche Maßnahme zur Vermeidung von Verarbeitungsmängeln ist die laufende Prüfung auf der Baustelle und die Dokumentation der Prüfergebnisse. Schon alleine die Tatsache, dass diese durchgeführt wird, hebt die Ausführungsqualität. Die Verarbeitungsnorm sieht dafür folgende Einzelprüfungen vor:

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Der Deckputz selbst muss in geeigneter Konsistenz und Dicke aufgebracht werden, sodass er keine Makroporen enthält. Ist es nicht der Fall, kann auch ein oberflächliches Verschließen mit einem rissüberbrückenden Anstrich diesen Mangel nicht dauerhaft beheben wie folgende Abbildungen zeigen:

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Ein Großteil der Verarbeitungsmängel tritt bei Abschlüssen, Anschlüssen und Durchdringungen auf. Diese Mängel sind leicht zu vermeiden, wenn WDVS in diesen Bereichen schlagregensicher angebunden werden. Dazu stehen zur Verfügung:

- Anputzprofile
- Vorkomprimierte, selbstrückstellende Dichtungsbänder

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Die Erfahrungen zeigen, dass das Fehlen von Diagonalarmierungen noch immer einen häufig auftretenden Ausführungsmangel darstellt. Fehlt die Diagonalarmierung ist mit größter Wahrscheinlichkeit mit den bekannten Eckrissen zu rechnen die leicht vermeidbar wären, würde man immer an die erforderliche Diagonalarmierung des Unterputzes denken.

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Auch Plattenstöße mit offenen Fugen sind potentielle Schadensstellen, dieser Verarbeitungsmangel ist an Bauwerksproben immer wieder nachweisbar.

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Die Werkvertragsnorm für die Herstellung von Außenwand-Wärmedämm-Verbundsystemen (ÖNORM B2259) verpflichtet den ausführenden Unternehmer zur Untergrundprüfung und Warnung, wenn dieser nicht den Anforderungen entspricht. Diese Untergrundprüfung hat zu umfassen:

  • Ebenheit
  • Saugfähigkeit
  • Tragfähigkeit
  • Untergrundfeuchte
  • statisch-konstruktive Risse
  • Gefahr der Hinternässung


Die Prüfung ist mit branchenüblichen, einfachen Methoden, wie Augenschein, klopfen, ritzen, Messlatte durchzuführen. Eingehende technologische oder chemische Untersuchungen gehören nicht zur Prüfpflicht des Auftragnehmers. Wesentlich ist aber auch die Bekanntgabe der Prüfergebnisse an den Auftraggeber stets verbunden mit entsprechenden Alternativvorschlägen zur vorgesehenen Ausführung.

Abschließend sei noch kurz auf ein gegenwärtig in Bearbeitung stehendes Normvorhaben hingewiesen. Es handelt sich um den Vorschlag der ÖNORM B 6405 "Außenwand-Wärmedämm-Verbundsysteme, Produkte und Anforderungen". Diese Norm behandelt Systeme mit größerer Gesamtdicke als 20 cm und Systeme die auf anderen Untergründen als Mauerwerk und Beton (z.B. im Fertighausbau) aufgebracht werden. Da diese Systeme in der ETAG 004 und daher auch nicht in der ÖNORM B 6400 geregelt sind, enthält der Normvorschlag der ÖNORM B 6405 die Anforderungen an den Kleber, den Wärmedämmstoff, die Befestigung und das Putz-System. unter Hinweis auf die jeweiligen Bezugsdokumente. Geregelt werden in dieser Norm WDVS aus

  • expandiertem Polystyrol
  • MW-PT
  • Hanf
  • WF-PT
  • Kork
  • Mineralschaum
  • WW

Damit wird die Vielfalt der auch bei der Instandsetzung und Instandhaltung von Gebäuden des Wiederaufbaues zur Anwendung kommenden Außenwand-Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) in Zukunft noch größer werden und die Gefahr von Verarbeitungsmängeln steigen. Durch Einhaltung der vorgenannten Regeln und Regelwerke lassen sich diese aber vermeiden.


Korrespondenz:

Dipl.-Ing. Norbert Glantschnigg
Zivilingenieur für Bauwesen 
Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger
Bautechnische Versuchs- und Forschungsanstalt Salzburg (bvfs)
Alpenstraße 157
A-5020 SalzburgTel.Nr.: +43 (0)662 621758-100
Fax : +43 (0)662 621758-199

e-mail : glantschnigg@bvfs.at
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