Bautechnische Versuchs- und Forschungsansatlt Salzburg
Bautechnische Versuchs- und Forschungsanstalt Salzburg
Akkreditierte Prüf-, Überwachungs- und Kalibrierstelle
Akkreditiert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten und das Österreichische Institut für Bautechnik (OIB) nach
ÖVE/ÖNORM EN ISO/IEC 17025, EN 45004 - Notified Body Nr. 1086

zurück

© 04/1995 Dipl.-Ing. Norbert Glantschnigg

SCHÄDEN UND MÄNGEL AN PUTZEN - Ursachen und Bewertung von Schadensbildern

1.

Einleitung

2.

Schadensbilder

3

Risse

Einzelrisse

Netzrisse
Haarrisse
4. Putzablösungen
5. Oberflächenmängel
sichtbare Gerüstbefestigungspunkte
Schutz der Außenwand vor Witterungseinflüssen
6. Unebenheiten und Maßabweichungen
Literatur

Kontakt


1. Einleitung

Putzschäden können in verschiedenen Formen, auch bei Verwendung von geeignetem Putzmaterial, auftreten. Die Vielfalt der Putzschadensbilder ist zurückzuführen auf die Vielfalt der Schadensursachen.

Je nach Betrachtungsweise sind Putze wie folgt einzuteilen:

Baustellen-Putzmörtel

Fertig-Putzmörtel, 
z.B. Trocken-, Naß- oder Transportmörtel

Handputz

Maschinenputz

Außenputz

Innenputz

Oberputz

Unterputz oder Vorspritzer

Putz ohne spezielle
 Eigenschaften

Putz mit speziellen Eigenschaften, 
z.B.: wärmedämmend, erhöhte Haftzugfestigkeit

Putz mit bestimmtem Bindemittel, z.B. Gips-Anhydrit, Kalk, Zement, Silikate, Kunstharze

Putze haben im wesentlichen zwei Funktionen zu erfüllen, nämlich die

  • bauphysikalische als Teil des Wandaufbaues,

  • oberflächengestaltende als Teil der Architektur.

Die Beanspruchung der Putze gliedert sich in

  • thermische,

  • hygrische,

  • Deformationen,

  • Spannungen.

2. Schadensbilder

Putzschäden oder Ausführungsmängel an Verputzen unterscheiden sich von anderen Bauschäden zunächst dadurch, dass sie auch für den Laien sofort erkennbar zutage treten und in den meisten Fällen auch dann dem Putz zugeordnet werden, wenn an diesem nur die Auswirkungen anderer Ursachen sichtbar werden.

Schadensbilder an Verputzen können wie folgt eingeteilt werden:

Risse

Flächenhafte Schäden

Einzelrisse

Putzablösungen

Netzrisse

Feuchte- und Frostschäden

Haarrisse

Unebenheiten und Maßabweichungen

 

Oberflächen- Strukturmängel

3. Risse

Risse treten dann auf, wenn die Zugfestigkeit des Putzes durch die Beanspruchung überschritten wird. Die Hauptzugkräfte wirken dabei stets normal zum Riß. Aufgrund dieses Zusammenhanges ist es bei der Klärung der Ursachen von Rissen von großer Bedeutung, einen genauen Befund aufzunehmen, der sich nicht nur auf das sichtbare Rißbild beschränken darf, sondern auch den Rißverlauf in die Tiefe, den Konstruktionsaufbau des Bauteiles sowie die bauphysikalischen Randbedingungen erfassen muß.

- Einzelrisse

Nicht selten sind Einzelrisse zurückzuführen auf konstruktive Mängel an verputzten Bauteilen, wenn beispielsweise verschiedene Bauteile unterschiedliche Setzungen erfahren und an den Bauteilgrenzen Risse in der Konstruktion auftreten, die selbstverständlich zunächst am Putz sichtbar werden. Auch das Fehlen von Bauwerksfugen kann zu ausgeprägten Einzelrissen führen.

Wichtig für die Sanierung der Einzelrisse ist die Feststellung, ob auch nach der Sanierung Bewegungen der Rißflanken zu erwarten oder diese bereits abgeklungen sind und die Ermittlung der Rißweite.

 

Einzelriß entlang einer Bauteilgrenze
 
Bild 1: Einzelriß entlang einer Bauteilgrenze

Auf Mantelbetonwänden läßt sich oft durch einfaches Abschlagen des Putzes nachweisen, dass sich der Rißverlauf deckt mit der Lage und dem Verlauf von offenen Fugen zwischen einzelnen Mantelsteinen:

Riß am Innenputz auf einer Mantelbetonwand
Bild 2: Riß am Innenputz auf einer Mantelbetonwand
 
Offene Fugen zwischen einzelnen Mantelsteinen
Bild 3: Offene Fugen zwischen einzelnen Mantelsteinen
 

Einzelrisse mit systematischem Rißbild sind meist zurückzuführen auf Materialgrenzen im Putzuntergrund, wie beispielsweise entlang der Stoßfugen von Wärmedämmplatten, wenn die Befestigungspunkte der Wärmedämmplatten nicht "stoßübergreifend" ausgeführt wurden und thermisch/hygrische Verformungen an Einzelplatten auftreten.

Auch Risse entlang der Kanten von Stahlbetonbauteilen im Mauerwerk, beispielsweise entlang der Ober- und Unterkante von Stahlbetondecken, können hinsichtlich ihrer Ursachen nicht dem Verputz zugeordnet werden, sondern sind in der Konstruktion bedingt.

 

Systematische Risse entlang der Fugen zwischen Wärmedämmplatten


Bild 4: Systematische Risse entlang der Fugen zwischen Wärmedämmplatten

- Netzrisse

Netzartige Risse treten meist bei glatten Putzflächen auf, wenn durch das Glätten Bindemittel an die Oberfläche gezogen wird und oberflächennahe Putzzonen dadurch ein größeres Schwinden erfahren als tieferliegende. Bei strukturierten oder rauhen Putzoberflächen werden netzartige Risse nur in Sonderfällen beanstandet, da sie an diesen Oberflächen weniger störend wirken.

An "Rieselputzen" auf Wärmedämmputzen werden Netzrisse festgestellt als Folge einer mangelhaften Nachbehandlung des Dämmputzes. Dabei traten zunächst am freiliegenden Dämmputz feine Risse auf, die vom nachfolgend aufgebrachten dünnen Oberputz nicht dauerhaft überbrückt werden konnten.

Netzartige Risse entstehen selten an verputzten Oberflächen mit "klassischem" Putzaufbau, das heißt, "weich" auf "hart" (Festigkeitsgefälle vom Putzuntergrund nach außen), ein Zeichen der Richtigkeit dieser altüberlieferten Handwerksregel.

Als Sonderfall des Schadensbildes "Netzrisse" gelten Risse entlang von Mauerwerksfugen, wie sie auftreten bei Formänderungen der Mauersteine als Folge von Feuchtigkeitsänderungen oder einem großen Nachschwinden.

Netzrisse an glatter Putzoberfläche  Netzrisse an glatter Putzoberfläche
Bild 6: Netzrisse an glatter Putzoberfläche 
Netzriß in Rieselputz auf gerissenem Wärmedämmputz
Bild 5: Netzrisse an glatter Putzoberfläche
Netzriß in Rieselputz auf 
gerissenem Wärmedämmputz
 

- Haarrisse

Abschließend zum Kapitel "Risse" seien noch "Haarrisse" im Sinne der Werkvertragsnorm für Verputzarbeiten nach (1) erwähnt. Immer öfter ist zu beobachten, dass Bauherren das Vorhandensein von Haarrissen als Anlaß dafür nehmen, große Geldbeträge einzubehalten und unmäßige "Mängelabgeltungsforderungen" zu erheben.

Haarrisse im Sinne der Werkvertragsnorm nach (1) sind Risse, die die Funktion des Putzes nicht beeinträchtigen. Eine eventuelle Beeinträchtigung der wesentlichsten Putzeigenschaft "Feuchteschutz des Wandaufbaues" kann prüftechnisch durch vergleichende Bestimmung der kapillaren Wasseraufnahme im Bereich von Rissen und in ungerissenen Putzbereichen nachgewiesen, oder widerlegt werden.

Wasserkoeffizienten

Wird dabei kein nennenswerter Unterschied festgestellt, so ist eine Beurteilung als "unwesentlicher" Mangel möglich und verbleibt eine angemessene Preisminderung für die Beeinträchtigung des Erscheinungsbildes.

Während in der Werkvertragsnorm für Putzarbeiten nach (1) die Rißweite von "Haarrissen" keine Erwähnung findet, enthält die ÖNORM B 3346 für die Verwendung und Verarbeitung von Putzmörteln nach (2) die Forderung, dass der fertiggestellte Putz keine Risse über 0,2 mm Rißbreite aufweisen darf. Weiters ist dort darauf hingewiesen, dass eine größere Anzahl oder eine Konzentration von Rissen mit zulässiger Breite (maximal 0,2 mm) die technologischen und bauphysikalischen Eigenschaften des Putzes nicht beeinträchtigen dürfen und eine grundsätzliche Klärung bezüglich der Rißursache, der Schädlichkeit oder der Fortdauer der Rißbewegung vor einer Sanierung erforderlich ist.

Auch für diese grundsätzliche Klärung der Schädlichkeit der Risse ist das Verfahren der vergleichenden Prüfung der kapillaren Wasseraufnahme in gerissenen und ungerissenen Bereichen geeignet und hat sich in den Bauwerksprüfungen nach (3) bestens bewährt.

4. Putzablösungen

Putzablösungen sind schwerwiegende Putzschäden, da sie das Ende des Bestandes des Putzes bedeuten.

An Fassaden treten schollenartige Putzablösungen auf bei ungeeigneter Putzhaftung am Unter-grund, beispielsweise wenn ein mineralischer Putz ohne besondere Vorkehrungen auf die glatte Oberfläche eines Wärmedämmverbundsystemes aufgebracht wurde.

Flächenhafte Putzablösungen
Bild 7: Flächenhafte Putzablösungen

Auch bei instabilen Untergründen, zum Beispiel Schaumbeton-Fertigteilen mit ungenügender Oberflächenfestigkeit, sind großflächige Putzablösungen möglich. Der Nachweis einer für das Verputzen ungenügenden Untergrundfestigkeit läßt sich durch Bauwerksprüfungen führen.

Dramatisch können flächenhafte Putzablösungen an Deckenuntersichten verlaufen, da diese nicht selten plötzlich und großflächig auftreten. Die Ursachen dafür sind meist Überlagerungen mehrerer Einflüsse, beginnend mit hohem Feuchtegehalt der Betondecke beim Verputzen, vorhandenen Schalölresten an der Deckenuntersicht bis zur mangelhaften Untergrundvorbereitung. Die Verwendung einer Haftbrücke kann die Einhaltung der Ausführungsregeln nicht ersetzen.

Putzablösungen in Sockelbereichen treten auf, wenn dafür ungeeignete Putzmaterialien bis an die Geländeoberkante geführt wurden. Im Spritzwasserbereich kann Wasser in und unter den Putz eindringen und in weiterer Folge zu Ablösungen führen.

5. Oberflächenmängel

Häufig werden Sachverständige konfrontiert mit Oberflächen-Strukturmängeln an Verputzen wie

horizontale Putzanschlußlinien in Höhe der Gerüstbefestigungspunkte

Bild 8: horizontale Putzanschlußlinien in Höhe der
Gerüstbefestigungspunkte

- sichtbare Gerüstbefestigungspunkte.

In diesen Fällen ist die Ursache meist klar, eine nicht fachgerechte Putzausführung.

Offen bleibt die Bewertung derartiger Mängel. Manche Bauherren weigern sich, für Verputze mit derartigen Oberflächen, überhaupt eine Zahlung zu leisten. Dieser Standpunkt ist volkswirtschaftlich ebenso unvertretbar wie die Erneuerung eines ganzen Kotflügels an einem Auto bei einem Kratzer im Lack.

Es besteht zwar die Möglichkeit, diese "optischen" Mängel zu beseitigen durch vollflächiges Aufbringen eines zusätzlichen Edelputzes in Kornstärke über die gesamte Fassade, dennoch ist zu beachten, dass auch ohne diese umfassende Sanierungsmaßnahme die wichtige technische Funktion des Putzes

 

- Schutz der Außenwand vor Witterungseinflüssen

gegeben ist und gemäß ÖNORM A 2050 nach (4) eine Preisminderung das Entgelt nicht unter den Wert senken darf, den die Leistung für den Bauherrn hat.

Als Maß für einen "angemessenen" Preisabzug kann beispielsweise der Aufpreis für einen besonderen Edelputz herangezogen werden.

 

unterschiedliche Strukturen an Fensterflächen
Bild 9: unterschiedliche Strukturen an Fensterflächen
 

6. Unebenheiten und Maßabweichungen

Gemäß der neu erschienenen Werkvertragsnorm für Putzarbeiten nach (1) sind ohne besondere Vereinbarungen die darin enthaltenen Maßtoleranzen für die Ebenheit der Toleranzklasse E1 einzuhalten und gelten für die Lotrechtheit und Winkel ebenfalls ganz bestimmte Maßtoleranzen.

Die Prüfung der Winkelrechtigkeit erfolgt mit einem Metallwinkel und es ist dabei der jeweils längere Schenkel als Bezug für das Nennmaß zu nehmen.

In durchgeführten Bauwerksprüfungen nach (3) ergaben sich bei diesen Prüfungen häufig in ein und derselben Raumecke zulässige oder unzulässige Abweichungen von der Winkelrechtigkeit, je nachdem ob der kurze Schenkel als Winkel an der linken oder an der rechten Wandfläche angehalten wurde. Dies war darauf zurückzuführen, dass der längere Schenkel örtlich vorhandene Unebenheiten der Putzflächen leichter überbrückte als der kürzere. Es war daher ein direkter Einfluß örtlich vorhandener Putzebenheiten auf die Beurteilung Winkelrechtigkeit gegeben, der ausgeschaltet werden mußte.

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen nach (3) ist unbedingt zu empfehlen, die Prüfung der Winkelrechtigkeit mit einem gleichschenkeligen Winkel, z.B. mit einer Schenkellänge von 50 cm, durchzuführen. Dadurch wird ausgeschlossen, dass sich bei ein und derselben Raumecke unterschiedliche Stichmaße für die Beurteilung der Winkelrechtigkeit ergeben. Die Messung des Stichmaßes ist jeweils am Ende des Schenkels durchzuführen und auf Einhaltung des Toleranzmaßes von maximal 4 mm zu beurteilen.

Für ein besseres Anlegen des Winkels in der Raumecke ist die Winkel-Außenkante mit einem Radius von ca. 2 cm abzurunden.

Literatur

(1) ÖNORM B 2210 "Putzarbeiten, Werkvertragsnorm", 1. November 1993

(2) ÖNORM B 3346 "Putzmörtel, Regeln für die Verwendung und Verarbeiten", 1. November 1993

(3) Zeugnisse der staatlich autorisierten BAUTECHNISCHEN VERSUCHS- UND FORSCHUNGSANSTALT SALZBURG, 1993 bis 1995

(4) ÖNORM A 2060 "Allgemeine Vertragsbestimmungen für Leistungen", 1. Jänner 1983

Kontakt

Dipl.-Ing. Norbert Glantschnigg
Zivilingenieur für Bauwesen 
Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger
Bautechnische Versuchs- und Forschungsanstalt Salzburg
(bvfs)
Alpenstraße 157
A-5020 Salzburg

Tel.Nr.: +43 (0)662 621758-100
Fax : +43 (0)662 621758-199

e-mail : glantschnigg@bvfs.at

zurück

Startseite | NEWS | Struktur | Geschichte | Geschäftsführung & Zentrale | Produktzertifizierung | Asphalt & BitumenBaustoffe & BaukonstruktionBauphysik & Hochbau | Geotechnik & Verkehrswegebau | Kalibrierdienst ÖKD 18 | Eichstelle Nr.: 542 | Kontakt | Suche | Veröffentlichungen | Anfahrtsplan | Referenzen | Forum | Stellenangebote | Seminare | SpezialanwendungenImpressum |

webmaster@bvfs.at

© 26.03.2015 Bautechnische Versuchs- und Forschungsanstalt Salzburg; Alpenstraße 157; A-5020 Salzburg;
Tel.: +43 (0)662 621758-0; Fax: +43 (0)662 621758-199; e-mail: info@bvfs.a
t