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01/2000 BauR h.c. Dipl.-Ing. Herbert Kaltenböck
HOCHLEISTUNGSBETON
In
den hochentwickelten Ländern der Welt, die über ein manifestiertes
Regelwerk (Normenwerk) verfügen lag in den beiden letzten
Jahrezehnten die höchste Betonfestigkeitsklasse bei 60 N/mm2,
vergleichbar mit der bei uns üblichen Bezeichnungsweise
B 600.
Neuere
Entwicklungen - beginnend in den 70-er Jahren - haben es
möglich gemacht auch Betone herzustellen, deren Festigkeit
noch deutlich darüber liegt. Man spricht heute daher bei
Betonen mit Druckfestigkeiten von etwa 60 bis 130 N/mm2
von Hochfesten Betonen bzw. Hochleistungsbetonen.
Eingebürgert hat sich heute der Begriff des Hochleistungsbetons
(HL-Beton), weil neben der Steigerung der Druckfestigkeit
auch andere Eigenschaften verbessert werden können (z.B.
chem. Widerstandsfähigkeit, Frostbeständigkeit).
Unter
Hochleistungbeton wird ein Beton verstanden dessen
Festigkeit etwa von 60 bis 130 N/mm2 reicht und der unter
bestimmten Bedingungen und mit bestimmten Ausgangsstoffen
hergestellt wird.
Um
zu verhindern, dass hohe Wärmeentwicklungen beim Abbinden
des Betons entstehen finden für HL-Beton in erster Linie
C3A-arme bzw. C3A-freie Zemente Anwendung.
Unter C3A-armen Zement werden solche verstanden,
die eine C3A-Gehalt von unter 3 M.-% haben.
Silikastaub
als Zusatzstoff ermöglicht die für Hochleistungsbeton
hohen
Festigkeitssteigerungen. Silikastaub fällt bei der Herstellung
von Siliciummetallen und Ferrosilicium an. Er zeichnet sich
durch ein extrem hohe Feinheit aus. Die spezifische Oberfläche
liegt um 20 m2/g, vergleichsweise liegt die spezifische
Oberfläche von Zement bei nur bei 0,3 bis 0,5 m2.
Silikastaub wird pulverförmig meist jedoch in Form einer
Suspension („Slurry") verwendet. Ab einer Zugabemenge
von etwa 5% werden die Festigkeitssteigerungen wirksam.
Die puzzolanische Wirkung des Silikastaubes beruht auf der
Bildung von zusätzlich festigkeitsbildenden Caiciumsilikathydraten
(CSH) beim
abgespaltenen
Kalziumhydroxid während der Zementhydratation. Dadurch entsteht
ein dichter hochfester Zementstein, der der Qualität eines
Zuschlags näherkommt und damit das Zusammenwirken des Zweistoffsystems
"Beton = Zuschlag + Zementstein" verbessert.
Die
Verwendung von Silikastaub verändert die Mikrostrukturen
in der Kontaktzone zwischen Zementstein und Zuschlag. Es
wird eine deutliche Verbesserung des Verbundes erreicht.
Die ansonst poröse Schwächezone im Übergangsbereich Zementstein-Zuschlag
wird infolge der größeren Packungsdichte und der puzzolanischen
Reaktion des Silikastaubes verfestigt. Dies erkennt man
bei der Prüfung des Betons daran, daß die Bruchflächen von
hochfestem Beton durch die Zuschläge hindurchgehen und nicht
wie bei Normalbeton um die Zuschläge herum.
Zur
Herstellung von Hochleistungsbeton werden mitunter auch
HS und FA verwendet, um die Hydratationswärme zu steuern
und die Verarbeitungseigenschaften zu verbessern. Eine Abstimmung
mit dem notwendigen Silikastaub ist im Rahmen einer Eignungsprüfung
unerlässlich.
Für
die Herstellung von hochfestem Beton werden zur Verminderung
der Gesamtwassermenge und zur Verbesserung der Verarbeitbarkeit
Hochleistungsverflüssiger eingesetzt. Diese sind
auf Basis von Melaminharzen, besonders aber auf Naphtalinsulfonsäure-Kondensaten
aufgebaut. Um die notwendige Verflüssigung zu erreichen
werden Zugabemengen von 5 bis 20 l/m3 benötigt.
Die
Wirkung der Hochleistungsverflüssiger (oder auch Superverflüssiger
genannt) ist in der Regel bekanntermaßen zeitlich beschränkt,
etwa eine halbe Stunde. Vielfach werden daher konventionelle
Verflüssiger in Kombination mit Hochleistungsverflüssigern
verwendet. Der normale Verflüssiger wird daher bei der Herstellung
des Betons z. B. im Transportbetonwerk zur Einstellung einer
Grundkonsistenz beigegeben und der Hochleistungsverflüssiger
erst auf der Baustelle, um die meist angestrebte Einbaukonsistenz
(meist K5) zu erreichen. Zusätzlich finden auch sind Erstarrungsverzögerer
(VZ) und Luftporenbildner (LP) Verwendung. Für die Herstellung
von hochfestem Beton gibt es heute auch pulverförmige Compound-Zusatzmittel
aus Silikastaub und Hochleistungsverflüssiger auf dem Markt.
Die
wichtigsten Eigenschaftender Zuschläge zur Herstellung von
hochfesten Beton sind
-
Kornform
-
Korngrößenverteilung
("Sieblinie")
-
mechanische
Eigenschaften
-
chemische
Wechselbeziehung zwischen Zuschlag und Zementstein.
Gedrungene
Kornform ist wichtig um den Verbrauch an Bindemittel zu
minimieren. Dies gilt auch für die Sieblinie: Die Zuschläge
müssen so zusammengesetzt sein, dass eine möglichst kleine
Gesamtwassermenge benötigt wird. Dies auch deshalb, damit
die erforderlichen niedrigen Wasser-Zement-Werte erzielt
werden können. Deshalb ist es wichtig nur mit einem ganz
kleinen Anteil an Mehlkorn (< 0,25 mm) zu fahren.
Bei
hochfestem Beton mit hohen Zementsteinfestigkeiten ist eine
ausreichend hohe Gesteinsfestigkeit notwendig. Um sehr hohe
Festigkeiten zu erreichen, sind u. U. Zuschläge aus Hartgestein,
wie Diabas, mit günstiger Kornform erforderlich.
HL-Beton
wird üblicherweise mit einem GK 16 oder GK 22 hergestellt.
Für
eine Beurteilung der „Qualität" der Sieblinie kann
deren spezifische Oberfläche (m2/kg) oder die
Feinheitsziffer herangezogen werden.
Besonderes
Merkmal von Hochleistungsbeton ist sein niedriger Wasser-Bindemittelwert
(W/B-Wert). Unter Bindemittel wird dabei die Summe von Zement
+ hydraulisch wirksamen Zusatzstoffen verstanden. Der W/B-Wert
liegt in der Regel unter 0,36, in extremen Fällen sogar
bei 0,22.
Die
Frischbetonkonsistenz bewegt sich in der Regel im K5-Bereich.
Hochleistungsbeton ist jedoch „klebrig" und auch weniger
verdichtungswillig als üblicher Beton. Zur Verminderung
der Klebrigkeit werden mitunter LP-Mittel verwendet. Da
wegen des Hochleistungsverflüssigers im allgemeinen ein
baldiges Ansteifen des Betons eintritt, kann dessen Nachdosieren
erforderlich sein.
Ein
„kühler" Frischbeton ist wegen der großen Bindemittelmenge
vorteilhaft, weshalb ein Kühlen der Zuschläge zweckmäßig
sein kann.
Wegen
der geringen Wassermenge ist die Entwicklung der Hydratationswärme
vergleichsweise niederer als dies bei größeren Wassergehalten
der Fall ist.
Neben
der hohen Druckfestigkeit weist Hochleistungsbeton auch
einen größeren Widerstand gegen chemische Angriffe auf,
ist widerstandfähiger gegen stahlkorrossive Einflüsse und
auch gegen starke mechanische Verschleißbeanspruchung.
Besonders
wichtig ist bei Hochleistungsbeton die Nachbehandlung: Eine
sofortige Nachbehandlung ist unbedingt erforderlich, damit
keine Risse auftreten und die Dauerhaftigkeit gewährleistet
bleibt.
Wegen
der hohen Sensibilität von Hochleistungsbeton
sind umfangreiche Eignungsprüfungen unerläßlich, die von
einer hierfür kompetenten akkreditierten Prüfstelle sinnvollerweise
durchzuführen sind.
BauR
h.c. Dipl.-Ing. Herbert Kaltenböck
Zivilingenieur für Bauwesen
Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger
Bautechnische Versuchs- und Forschungsanstalt Salzburg
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