Bautechnische Versuchs- und Forschungsansatlt Salzburg
Bautechnische Versuchs- und Forschungsanstalt Salzburg
Akkreditierte Prüf-, Überwachungs- und Kalibrierstelle
Akkreditiert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten und das Österreichische Institut für Bautechnik (OIB) nach
ÖVE/ÖNORM EN ISO/IEC 17025, EN 45004 - Notified Body Nr. 1086

© 04/2001 Dipl.-Ing. Dr. Martin Moser und BauR h.c. Dipl.-Ing. Dr. Helfried Breymann

 

Das Durchdrückverhalten von Geotextilen unter dynamischer und statischer Belastung - der Pyramidendurchdrückversuch nach RVS 8S.01.2

 

1 Einleitung
2. Stand der Versuchstechnik
2.1 Das Durchdrückverhalten von Geotextilien
2.2 Wahl einer für Schüttmaterial repräsentativen Prüfspitze
3 Auswahlkriterien für im Straßenbau eingesetzte Geotextilien
3.1 Geotextilrobustheitsklassen gemäß Merkblatt der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen
3.2 Anforderungen für Trenn- und Verstärkungsgeotextilien gemäß RVS 8S.01.2
4 Der Pyramidendurchdrückversuch gemäß RVS 8S.01.2
4.1 Versuchseinrichtung
4.2 Kraftmessung
4.3 Statischer Pyramidendurchdrückversuch
4.4 Dynamischer Pyramidendurchdrückversuch
4.5 Versuchsdurchführung
4.6 Auswertung und Dokumentation
5 Versuchsergebnisse
6 Zusammenfassung
7 Literatur
Kontakt

K U R Z F A S S U N G
Im Straßenbau eingesetzte Geotextilien werden vorwiegend durch die Einzelkörner des Schüttmaterials beansprucht. Diese punktuellen Belastungen können Schäden verursachen, welche die an das Geotextil gestellten bautechnischen Anforderungen wesentlich beeinträchtigen. Für eine Beurteilung des Durchdrückverhaltens von Geotextilien sind im deutschsprachigen Raum vorwiegend der Stempeldurchdrückversuch, mit dem die Kraftaufnahme bei statischer Belastung simuliert wird sowie der Kegelfallversuch, mit dem ein Schüttvorgang nachgestellt wird, von Bedeutung. Aufgrund der nicht wirklichkeitsnahen Ausbildung von Prüfstempel bzw. -spitze sowie der fehlenden Möglichkeit zur Simulation dynamischer Lasten befriedigt der derzeitige Stand der Versuchstechnik aus bodenmechanischer Sicht nicht. Auf Basis des Stempeldurchdrückversuches wurde daher ein Versuch entwickelt, bei dem die pyramidenförmige Prüfspitze gemäß ÖNORM S 2076 sowohl statisch als auch - unter zyklischer Auf- und Abbewegung - dynamisch durch das Geotextil gedrückt wird. Die hierfür erforderliche Kraft wird in Abhängigkeit vom Vorschubweg kontinuierlich aufgezeichnet. Das derart ermittelte Kraftmaximum wird als statische bzw. dynamische Pyramidendurchdrückkraft bezeichnet und ist Beurteilungskriterium in den Technischen Vertragsbedingungen der RVS 8S.01.2, Geotextilien im Unterbau. Die Versuchseinrichtung wird beschrieben und die Brauchbarkeit des Verfahrens anhand von Prüfergebnissen gezeigt

A B S T R A C T
Geotextiles used in the earthwork of road building projects are mainly stressed by the individual aggregates of fill. Stresses of such a kind may cause damage to the geotextile and impair fundamental technical requirements. The puncturing-resistance of geotextiles is commonly judged on basis of the results of the CBR-puncture test, which allows the simulation of a static load and the cone drop test, which gives the opportunity to imitate a dynamic load. Because of the unrealistic geometry of the testing piston on the one hand and the impossibility to simulate dynamic loading on the other hand the state of the art does not satisfy in a geotechnical point of view. Therefore, a special test method has been developed that - according to the sharp edged aggregates of fill - uses a pyramid shaped piston which is pushed slowly with a cyclic up and down motion (dynamic test) as well as at rest (static test) trough the geotextile. The deformation and the puncture force are continuously measured. The determined maximum force is the static puncture force respectively the dynamic puncture force both of them being a mean of assessment in the RVS 8S.01.2 standard. A detailed description of the testing appliance is given. The usefulness of the introduced testing method is shown by testing results.

 

Land Salzburg, akkreditierte Prüfstelle und Überwachungsstelle
 

akkreditierte Prüfstelle, Überwachungsstelle
 

akkreditierte Kalibrierstelle, Kraft und Länge, ÖKD 18
 ÖKD 18
 

Eichstelle für Waagen
Nr. 542


Überwachungskennzeichen der bvfs
 

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1. Einleitung []

Der Einsatz von Geotextilien im Straßenbau entspricht dem heu-tigen Stand der Technik, wobei die Einsatzmöglichkeiten weit gestreut sind. Geotextilien werden sowohl bei einfachen Verkehrswegen (z.B. Güter- und Forstwegen) und unbefestigten Straßen mit begrenzter Lebensdauer (z.B. Baustellenzufahrten und Baustraßen) als auch bei hochwertigen Straßen mit gebundenem Oberbau aus Asphalt oder Beton und im Unterbau von hochbelasteten Schienenwegen eingesetzt.
Von besonderer Bedeutung ist hierbei die Wirkungsweise des Geotextils als Trenn- und Filterlage sowie als zugfeste und dehnfähige Bewehrung im Verbundsystem aus Tragschichte, Geotextil und anstehendem Untergrund. Für den Routineeinsatz im Straßenbau haben sich vernadelte Vliesstoffe gegenüber Ge-weben und Maschenwaren weitgehend durchgesetzt. Steht die Funktion einer Bewehrung im Vordergrund, werden auch Verbundstoffe auf Vliesbasis und Geogitter eingesetzt, wobei letztere mit Vliesen kombiniert werden müssen, um Trenn- und Filterfunktionen erfüllen zu können. Im Folgenden wird von Vliesen ausgegangen.
Ob die Trenn- und Filterfunktion oder die Wirkung als Bewehrung im Vordergrund steht, ist eine viel diskutierte Frage. Tatsache ist, daß Geotextile die Vermischung von Tragschichtmaterial und anstehendem Untergrund verhindern. Bei entsprechender Dimensionierung als Filter verhindern Geotextilien das Einspülen von Feinteilen in das Tragschichtmaterial, entwässern den Untergrund und beschleunigen somit bei feinkörnigen, wassergesättigten Böden die Konsolidierung. Weiters verhindert der Einsatz eines Geotextils eine punktuelle Überbelastung von gering tragfähigen (z.B. aufgeweichten) Zonen im anstehenden Un-tergrund.
Durch eine geotextile Bewehrung kann die Steifigkeit eines Tragschichtsystems erhöht bzw. die Mächtigkeit der Tagschichte reduziert werden, wofür zahlreiche Versuchsergebnisse vorliegen. Unter anderem haben Beyer und Nimmesgern (1994) Versuche sowie Vergleichsberechnungen mit der Methode der Finiten Elemente durchgeführt.
Die maßgebende mechanische Beanspruchung eines im Straßenbau eingesetzten Geotextils ergibt sich durch die Einzelkörner bzw. durch steinige oder auch blockige Einzelkomponenten des Schüttmaterials. Insbesondere bei unzureichender Qualität bzw. Verdichtung der Schüttung oder geringer Tragfähigkeit des anstehenden Untergrundes werden geotextile Trenn-, Filter- und Bewehrungsschichten auf Durchdrücken bzw. -stoßen beansprucht.
Ergänzend zur Durchdrückbeanspruchung werden Geotextilien im Rahmen der Erdarbeiten durch Schütten, Verdichten und Befahren dynamisch belastet. Langfristig werden Geotextilien in Tragschichtsystemen auch durch dynamische Verkehrslasten, welche beim Rollen, Anfahren, Beschleunigen und Bremsen mobilisiert werden, beansprucht.
Laier und Bräu (1986) sowie Floss und Bräu (1988) haben das (Durchdrück)Verhalten von Geotextilien sowie die Verformungen eines Tragschichtsystems auf gering tragfähigem Untergrund zufolge dynamischer Lasten im Groß- bzw. Baustellenversuch untersucht. Hierbei wurden sowohl der günstige Einfluß von Geotextillagen als auch die unterschiedlichen Produkteigenschaften aufgezeigt. Kisskalt und Kossendey (1994) zeigen den Einfluß einer dynamischen Belastung auf die Filterwirksamkeit eines im Straßenbau verwendeten Geotextils
Um die bautechnischen Anforderungen im Erdbau des Straßenbaus langfristig erfüllen zu können, ist es erforderlich, daß ein Geotextil die dynamischen und statischen Belastungen der Bauphase, insbesondere die Durchdrückbeanspruchung unbeschadet übersteht. Als Beurteilungskriterium für das Durchdrückverhalten von Geotextilien unter dynamischer und statischer Belastung wurde an der Bautechnischen Versuchs- und Forschungsanstalt Salzburg der dynamische und der statische Pyramidendurchdrückversuch entwickelt, der in die Technischen Vertragsbedingungen der RVS 8S.01.2, "Geotextilien im Unterbau" aufgenommen wurde.
Im Folgenden wird der Stand der Versuchstechnik diskutiert. Weiters werden die von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen sowie der RVS 8S.01.2 angegebenen Auswahlkriterien für Geotextile, welche auch den Einfluß dynamischer Belastungen berücksichtigen, erläutert. Der dynamische und der statische Pyramidendurchdrückversuch werden detailliert beschrieben und repräsentative Versuchsergebnisse aufgezeigt.


 
2. Stand der Versuchstechnik []

Die Eigenschaften eines Geotextils sind durch Laborprüfungen nachzuweisen; die hierbei ermittelten Kennwerte sind die Basis für die Wahl einer entsprechenden Geotextiltype. Da viele Prüfungen aus der Textilindustrie übernommen wurden, sind viele im Labor ermittelten Geotextilkennwerte nur bedingt für die Beurteilung von Geotextilien geeignet. Neben den Identifikationsprüfungen (Flächengewicht und Dicke) haben sich vor allem die Streifenzugfestigkeit und -dehnung, der Stempeldurchdrückversuch, die Grabzugprüfung, die Weiterreißprüfung, der Berstversuch und der Kegelfallversuch als Beurteilungskriterium für die mechanischen Eigenschaften sowie die charakteristische Öffnungsweite, die Wasserdurchlässigkeit in der Ebene und die Wasserdurchlässigkeit normal zur Ebene als Kriterium für die hydraulischen Eigenschaften von im Straßenbau verwendeten Geotextilien durchgesetzt.

 

 
2.1 Das Durchdrückverhalten von Geotextilien []


Für eine Beurteilung des Durchdrückwiderstandes von Geotexti-lien werden derzeit im deutschsprachigen Raum vorwiegend der Stempeldurchdrückversuch gemäß EN 12236 sowie der Kegelfallversuch gemäß EN 918 herangezogen:
Der Stempeldurchdrückversuch verwendet den Prüfstempel des aus dem Straßenbau bekannten CBR-Versuches. Die Simulation des Schüttkornes erfolgt mit einem zylindrischen Stempel mit 50 mm Durchmesser und abgerundeten Kanten, welcher mit gleichbleibender Geschwindigkeit durch das Geotextil gedrückt wird. Prüfergebnis ist die maximal erreichbare Durchdrückkraft.
Der Kegelfallversuch sieht eine kegelförmige Spitze mit einem Öffnungswinkel von 45° und einer Masse von 1000 g vor, der aus einer definierten Höhe auf das Geotextil fällt. Prüfergebnis ist der hierbei erzeugte Lochdurchmesser.
Der Stempeldurchdrückversuch erlaubt die Simulation stati-scher Lasten; mit dem Kegelfallversuch kann die dynamische Beanspruchung beim Überschütten nachgestellt werden. Aufgrund der zahlreich vorliegenden Versuchsergebnisse bieten die beiden genannten Versuche ein gutes Beurteilungskriterium für den Vergleich der Produkteigenschaften unterschiedlicher Geotextiltypen. Aufgrund der nicht wirklichkeitsnahen Geometrie des Prüfstempels bzw. der Prüfspitze sowie der fehlenden Möglichkeit zur Simulation der dynamischen Beanspruchung durch Verdichtung oder durch Verkehrslasten befriedigt der derzeitige Stand der Versuchstechnik aus bodenmechanischer Sicht nicht.


 
2.2 Wahl einer für Schüttmaterial repräsentativen Prüfspitze []

Für die Ermittlung charakteristischer Kennwerte hinsichtlich des Durchdrückverhaltens von Geotextilien besteht der Bedarf nach einer Prüfspitze, welche die geometrischen Eigenschaften der als Schüttmaterial verwendeten Gesteinskörnung wiedergibt.
Als Schüttmaterial wird im österreichischen Straßenbau be-vorzugt gebrochenes, rundkantiges oder kantiges Kiesmaterial verwendet, da natürlich gewachsene Kiesmaterialien mit gerundeten Komponenten häufig nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. In Österreich wird die Kornzusammensetzung ungebundener unterer und oberer Tragschichten in RVS 8S.05.11 geregelt. Für obere Tragschichten werden Kornbereiche definiert; für untere Tragschichten werden als wesentliche Anforderung Verdichtungskriterien angegeben. Ergänzende Forderungen hinsichtlich der Korngrößenverteilung von unteren Tragschichten sind eine Beschränkung des Kornanteils < 0,063 mm, ein Filterkriterium und ein maximaler Korndurchmessers von 90 mm. Schüttmaterial für Bodenauswechslungen wird auf Basis des Klassifizierungssystems der ÖNORM B 4400 (DIN 18196) in RVS 8.24 beschrieben. Im Regelfall weisen die Schüttmaterialien des Straßenbaus meist ein Größtkorn von ca. 60 mm auf; kantiges Kiesmaterial wird aufgrund der günstigen Verdichtungseigenschaften gegenüber rundkörnigen Materialien bevorzugt.
Für die Ermittlung der statischen und der dynamischen Pyramidendurchdrückkraft gemäß RVS 8S. 01.2 wird daher die Prüfpyramide gemäß ASTM D 5494-93 bzw. ÖNORM S 2076 verwendet. In Abbildung 2.2-1 ist eine entsprechende Prüfpyramide gemeinsam mit dem Prüfstempel des Stempeldurchdrückversuches und der Prüfspitze des Kegelfallversuches verschiedenen Kieskomponenten unterschiedlicher Kornform gegenübergestellt. Der Vergleich zeigt, daß die Geometrie der Prüfpyramide die rundkantige und die kantige Kornform gut beschreibt. Gleichmäßig gerundete Komponenten werden durch den CBR-Stempel gut simuliert.
 
Prüfstempel, Prüfspitze und Prüfpyramide; Schüttmaterial (gerundetes, rundkantiges und kantiges Einzelkorn)  
Abbildung 2.2-1: Prüfstempel, Prüfspitze und Prüfpyramide; Schüttmaterial (gerundetes, rundkantiges und kantiges Einzelkorn)  

 

Die Prüfpyramide besteht aus einer vierseitigen Pyramide, welche auf einen Zylinder mit 25 mm Durchmesser aufgesetzt ist. Die einzelnen Pyramidenflächen stehen zueinander in einem Winkel von 90°. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, daß die in ASTM D 5494-93 und ÖNORM S 2076 angegebene Geometrie der Prüfpyramide nicht reproduzierbar ist (siehe auch Abbildung 2.2-2) Die Übergangsflächen zwischen den mit 0,1 mm gerundeten Kanten und der mit 0,5 mm abgerundeten Spitze kann nicht exakt beschrieben werden und ist fertigungstechnisch nicht herstellbar. Weiters sind weder der Werkstoff noch die Oberflächenrauhigkeit der Prüfpyramide definiert. Dementsprechend werden in der täglichen Praxis unterschiedliche Prüfspitzen verwendet. Es kommen Prüfpyramiden zum Einsatz, deren Spitze aus einer eingepreßten Kugel oder einem abgerundeten Stift besteht; die Oberflächenbehandlung ist oft mangelhaft, wodurch eine erhöhte "Schneidewirkung" der Pyramidenkanten entsteht. Es hat sich gezeigt, daß unterschiedliche Pyramidenausbildungen zu streuenden Ergebnissen führen können. Beim dynamischen Pyramidendurchdrückversuch wurde beobachtet, daß zufolge einer nicht sauberen Ausbildung der Pyramidenspitze oder der Pyramidenkanten ("Sägezähne") einzelne Fasern aus Vliesstoffen gezogen werden.
Um Unregelmäßigkeiten auszuschließen, wurde eine Prüfpyramide definiert, die allgemein reproduzierbar ist und zukünftig für Pyramidendurchdrückversuche verwendet werden soll. Die neue Prüfpyramide wurde bereits in internationalen Normenauschüssen präsentiert und kann hinsichtlich den Abmessungen, Toleranzen, Oberflächen und dem Werkstoff wie folgt beschrieben werden:
- Radius Spitze = Radius Pyramidenkante 0,5 ± 0,02 mm
- Winkeligkeit der Pyramidenflächen 0,01 mm
- Nicht tolerierte Maße gemäß DIN 7168, T1 fein
- Rmax der nicht bemaßten Kanten 0,3 mm
- Oberfläche Ra max. 0,8 (VDI 18)
- Werkstoff Werkzeugstahl gehärtet (58 + 3 HRC) Cr-Anteil min. 11 %

Vergleichsversuche (siehe auch Abbildung 4.6-3) haben gezeigt, daß die mit der neuen Prüfspitze insbesondere beim dynamischen Versuch im Regelfall günstigere (höhere) Kraftwerte erzielt werden können.

 
Prüfpyramide gemäß ASTM D 5494-93 bzw. ÖNORM S 2076

Abbildung 2.2-2: Prüfpyramide gemäß ASTM D 5494-93 bzw. ÖNORM S 2076

 

 

3 AUSWAHLKRITERIEN FÜR IM STRASSENBAU EINGESETZTE GEOTEXTILIEN []


Meist werden im Straßenbau eingesetzte Geotextilien nach der flächenbezogenen Masse sowie nach der Zugfestigkeit und der Bruchdehnung ausgewählt. Die für das Durchdrückverhalten maßgebenden Geotextilkennwerte wie die Stempeldurchdrückfestigkeit und der Lochdurchmesser des Kegelfallversuches spielen meist nur eine untergeordnete Rolle, da allgemein anerkannte Bemessungskriterien fehlen. Im Allgemeinen müssen im Straßenbau eingesetzte Geotextilien neben den mechanischen Kriterien auch hydraulischen Anforderungen genügen; die Filterfunktion des Geotextils muß auf die Kornzusammensetzung des anstehenden Untergrundes abgestimmt werden, um eine Verunreinigung des Tragschichtmaterials durch eingespülte Feinteile zu verhindern.
Prinzipiell sind Tragschichtsysteme, welche unter dem Einsatz von Geotextilen aufgebaut werden, sowohl hinsichtlich der erforderlichen Tragschichtmächtigkeit als auch hinsichtlich des verwendeten Geotextils zu bemessen. Resl (1997) gibt einen Überblick über die unterschiedlichen gängigen Bemessungsmethoden. Im Folgenden werden diejenigen Auswahlkriterien beschrieben, die auch den Einfluß dynamischer Lasten erfassen


 
3.1 Geotextilrobustheitsklassen gemäß Merkblatt der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen []

Die erforderlichen Eigenschaften des Geotextils werden durch Geotextil-Robustheitsklassen definiert, wobei die Festigkeitseigenschaften von Vliesstoffen durch die Stempeldurchdrückkraft angegeben werden. Ergänzend wird für jede Robustheitsklasse eine Mindestanforderung für das Flächengewicht definiert (siehe Tabelle 3.1-1).
Tabelle 3.1-1: Geotextilrobustheitsklassen für Vliesstoffe
 
Geotextilrobustheitsklasse (GRK)
Stempeldurchdrückkraft (x*-s)
Masse pro Flächeneinheit (x*)
1
0,5 kN
80 g/m²
2
1,0 kN
100 g/m²
3
1,5 kN
150 g/m²
4
2,5 kN
250 g/m²
5
3,5 kN
300 g/m²
Für Vliesstoffe wird der Mittelwert der Stempeldurchdrückkraft (x*) minus Standardabweichung (s) verwendet.

In Abhängigkeit vom verwendeten Schüttmaterial werden Anwendungsfälle (AS) beschrieben, die gemeinsam mit den Beanspruchungsfällen (AB), welche durch den Einfluß der dynamischen Belastung zufolge Einbau und Baubetrieb definiert sind, ein Klassifikationssystem für die Geotextilrobustheitsklassen darstellen (siehe Tabellen 3.1-2 bis 3.1-4).

Tabelle 3.1-2: Einteilung nach der Beanspruchung durch das Schüttmaterial
Anwendungsfall
Beschreibung
AS1
Einsatz eines Geotextils in Fällen, in denen die mechanische Beanspruchung durch das Schüttmaterial und den Einbau ohne Einfluß auf die Auswahl ist.
AS2
Geotextil zwischen feinkörnigen Böden und grob- oder gemischtkörnigen Böden.
AS3
Geotextil zwischen feinkörnigen Böden und grob- oder gemischtkörnigen Böden mit bis zu 40 % Steinen sowie scharfkantigem, gebrochenem Material der Körnung wie AS2.
AS4
Geotextil zwischen feinkörnigen Böden und grob- oder gemischtkörnigen Böden mit bis zu 40 % Steinen und Blöcken sowie scharfkantigem, gebrochenem Material der Körnung wie AS3.
AS5
Geotextil zwischen feinkörnigen Böden und grob- oder gemischtkörnigen Böden mit bis zu 40 % Steinen und aus scharfkantigem Gestein.

Tabelle 3.1-3: Einfluß der Beanspruchung durch Einbau und Baubetrieb
Beanspruchungsfall
Beschreibung
AB1
Einbau und Überschütten von Hand und keine wesentliche Beanspruchung des Geotextils durch die Verdichtung.
AB2
Maschineller Einbau und Verdichtung, keine wesentliche Walkbeanspruchung durch den Bauverkehr.
AB3
Maschineller Einbau und Verdichtung sowie erhöhte Walkbeanspruchung durch zugelassene Spurrinnentiefe von 5 bis 15 cm.
AB4
Maschineller Einbau und besondere Walkbeanspruchung durch zugelassene Spurrinnentiefe von über 15 cm.

Tabelle 3.1-4: Einfluß der Beanspruchung durch Einbau und Baubetrieb
Anwendungsfall
Beanspruchungsfall
AB1
AB2
AB3
AB4
AS1
GRK1
 
 
 
AS2
GRK2
GRK2
GRK2
GRK2
AS3
GRK3
GRK3
GRK3
GRK3
AS4
GRK4
GRK4
GRK4
(1)
AS5
GRK5
GRK5
(1)
(1)
(1) Für diese Anwendungen sind entweder Baustellenversuche auszuführen oder die Schüttlagendicke zu erhöhen.

3.2 Anforderungen für Trenn- und Verstärkungsgeotextilien gemäß RVS 8S.01.2 []

Die Anforderungen an das Geotextil sind durch den Untergrund, das Schüttmaterial sowie die Verkehrsbelastung definiert. In Abhängigkeit vom Größtkorn (dmax 63 mm oder dmax > 63 mm), der Kornform (Rundkorn oder Kantkorn), dem Verformungsmodul Ev1 des Untergrundes (U1: Ev1 5 MN/m2, U2: Ev1 = 5 bis 15 MN/m2, U3: Ev1 > 15 MN/m2) und der Verkehrbelastung gemäß RVS 3.63 (Lastfallklassen I bis IV) werden auf Basis einer Tragschichtmächtigkeit von 40 cm Geotextilkennwerte definiert, wobei dem dynamischen Pyramidendurchdrückversuch besondere Bedeutung zukommt (siehe Tabelle3.2-1 und 3.2-2).

 
Tabelle 3.2-1: Mechanische Anforderungen an Geotextilien für Schüttmaterial Rundkorn oder Schüttmaterial Kantkorn dmax 63 mm
U
LKL
gem.
RVS 3.63
Höchst-zugkraft
Höchst-zugkraft-dehnung
Stempel-durchdr.
-kraft
Lochdurch-meser/Kegelfall-versuch
Pyramiden- durchdr.
-kraft (stat.)
Pyramiden- durchdr.
-kraft (dyn.)
kN/m
%
N
mm
N
N
U1
LKL I-IV
23
> 55
3850
< 15
1000
660
LKL V
21
> 55
3500
< 16
900
600
U2
LKL I-IV
18,5
> 55
3000
< 17
750
510
LKL V
15,5
> 55
3700
< 21
660
450
U3
LKL I-IV
13,5
> 55
2300
< 23
560
390
LKL V
11
> 55
1850
< 27
490
310

Tabelle 3.2-2: Mechanische Anforderungen an Geotextilien für Schüttmaterial Kantkorn dmax > 63 mm
U
LKL
gem.
RVS 3.63
Höchst-zugkraft
Höchst-zugkraft-dehnung
Stempel-durchdr.
-kraft
Lochdurch-meser/Kegelfall-versuch
Pyramiden- durchdr.
-kraft (stat.)
Pyramiden- durchdr.
-kraft (dyn.)
kN/m
%
N
mm
N
N
U1
LKL I-IV
26
> 55
4200
< 14
1140
750
LKL V
23
> 55
3850
< 15
1000
660
U2
LKL I-IV
21
> 55
3500
< 16
900
600
LKL V
18,5
> 55
3000
< 17
750
510
U3
LKL I-IV
15,5
> 55
2700
< 21
660
450
LKL V
13,5
> 55
2300
< 23
560
390

 

Ergänzend zu den in Tabelle 3.2-1 und 3.2-2 geforderten mechanischen Kennwerten wird die mechanische Filterstabilität durch Grenzwerte der charakteristischen Öffnungsweite gemäß EN ISO 12956 definiert (0,06 mm O90, w 0,2 mm). Ergänzend wird die hydraulische Filterstabilität durch eine Mindestanforderung hinsichtlich der Durchlässigkeit normal zur Ebene gemäß EN ISO 11058 gewährleistet (kv 1,0 .10-3 m/s, bzw. Permittivität Psi1 s-1).
Für den Einsatz als Filter- oder Drainagegeotextil sind in RVS 8S.01.2 Mindestanforderungen hinsichtlich der mechanischen und hydraulischen Geotextilkennwerte angegeben.


4 DER PYRAMIDENDURCHDRÜCKVERSUCH GEMÄSS RVS 8S.01.2 []
4.1 Versuchseinrichtung

Die Versuchseinrichtung erlaubt es, sowohl dynamische als auch statische Lasten zu simulieren. Detailliert kann die Versuchseinrichtung wie folgt beschrieben werden (siehe auch Abbildung 4.1-1):
Die Geotextilprobe wird über einen Prüftopf mit einem Innendurchmesser von 150 mm sowie einer Höhe von 150 mm aufgelegt und in einem Spannring gemäß EN ISO 12236 (Stempeldurchdrückversuch) fixiert. Die Masse des Prüftopfes inklusive Spannring beträgt rund 12000 g.
Anschließend wird der Prüftopf zentrisch auf die Kraftmesseinrichtung aufgestellt, welche aus drei, unter einem Winkel von jeweils 120° versetzten Wägezellen der Marke HOTTINGER, Typ Z 6-4 (Nennlast 200 kg), besteht.
Die Krafttmesseinrichtung ist auf einer Vorschubeinrichtung montiert, welche den Prüftopf mit konstanter Geschwindigkeit gegen die Prüfspitze drückt. Der Vorschub für das Anheben des Prüftopfes gegen die Prüfpyramide erfolgt mit einer Geschwindigkeit von 10 ± 1 mm/min. Bei der beschriebenen Versuchseinrichtung wird eine Universalprüfmaschine der Marke Zwick, Typ 1488 als Vorschubeinrichtung verwendet.
Mit der Prüfpyramide (siehe auch Punkt 2.2) wird jene Beanspruchung simuliert, die während der Einbauphase infolge Beschütten, Verdichten und Befahren auftritt.
Versuchseinrichtung Pyramidendurchdrückversuch


Abbildung 4.1-1: Versuchseinrichtung Pyramidendurchdrückversuch
4.2 Kraftmessung []

Die Kraftmeßeinrichtung dient zur Ermittlung der dynamischen und statischen Kräfte, welche das Geotextil bzw. den Prüftopf belasten. Hierfür muss die Kraftmeßeinrichtung in der Lage sein, während des Versuches sowohl statische als auch dynamische Kräfte zu registrieren.
Das Meßprinzip kann wie folgt beschrieben werden: Beim dynamischen Versuch werden je Schwingungsperiode 50 Kraft-Werte gemessen und daraus die Maxima und Minima der jewei-ligen Periode ermittelt. In einem Meßvorgang werden 10 Schwingungsperioden der Wägezellen betrachtet, die hierbei gemessenen Maximal- und Minimalwerte arithmetisch gemittelt und der letzten Wegmessung der Schwingungsperiode zugeordnet. Für ein bestimmtes Vorschubintervall ergeben sich somit zwei Kraft-Werte, welche die Umhüllende des Kraft-Vorschubweg-Verlaufes repräsentieren.
Die Kraftmessung des statischen Versuches erfolgt analog zum dynamischen Versuch. Die Durchdrückkraft wird kontinuierlich aufgezeichnet und das gemessene Kraftmaximum einem bestimmten Vorschubintervall zugeordnet.

 
4.3 Statischer Pyramidendurchdrückversuch []

Die Ermittlung der statischen Pyramidendurchdrückkraft erfolgt in Anlehnung an den Stempeldurchdrückversuch gemäß EN ISO 12236. Anstelle des Prüfstempels wird jedoch die oben beschriebene Prüfpyramide verwendet und mit einer Vorschubgeschwindikgeit von 10 mm/min durch das Geotextil gedrückt.
Die auf die Prüfpyramide wirkende Kraft wird in Abhängigkeit vom Vorschubweg kontinuierlich aufgezeichnet. Als statische Pyramidendurchdrückkraft Fstat wird die höchste erreichbare Eindruckkraft in Newton bezeichnet, die beim Durchdrücken der Prüfpyramide durch die eingespannte Geotextilprobe festgestellt wird.

 
4.4 Dynamischer Pyramidendurchdrückversuch []

Beim dynamischen Versuch wird die Prüfpyramide mittels eines Exzenters oszillierend in Vorschubrichtung bewegt.
Die oszillierende Bewegung bzw. die Beanspruchungskriterien des dynamischen Pyramidendurchdrückversuches setzen sich aus nachstehend angeführten Parametern zusammen, welche schematisch in Abbildung 4.4-1 dargestellt sind.
- Vorschubgeschwindigkeit des Prüftopfes: 10 mm/min
- Hub der Prüfpyramide: ± 5 mm
- Frequenz (Hubanzahl je Sekunde) 15 Hz
bzw. Umdrehungen des Exzenterantriebes 900 U/min
für die Bewegung der Pyramide.


 
Beanspruchungskriterien  
Abbildung 4.4-1: Beanspruchungskriterien
Die dynamische Pyramidendurchdrückkraft Fdyn ist die maximale Eindrückkraft in Newton, die beim Durchdrücken der Prüfpyramide während der oszillierenden Bewegung auf die Probe ausgeübt wird.

 
4.5 Versuchsdurchführung []

Die einzelnen Geotextilproben werden spannungsfrei zwischen den Spannringen eingebaut. Anschließend wird der Prüftopf mit der eingespannten Probe zentrisch unter der Prüfpyramide fixiert und die Nullage eingestellt.
In der Nullage jeden Versuches liegt die Spitze der Prüfpyramide an der Oberfläche der eingespannten Geotextilprobe möglichst spannungsfrei auf. Für den dynamischen Pyramidendurchdrückversuch ist der Exzenter auf die unterste Hublage einzustellen.
Der Versuch ist beendet, wenn ein signifikanter Abfall der Eindrückkraft festgestellt wird oder wenn der Prüftopf 60 mm gegen die Prüfpyramide gedrückt wurde.
Je Geotextiltype sind mindestens fünf statische und fünf dynamische Einzelversuche durchzuführen. Der Kraft-Verschie-bungsverlauf ist für jeden Einzelversuch aufzuzeichnen.
Die Pyramidendurchdrückversuche sind bei einer Temperatur von 23 ± 2 °C durchzuführen.

 
4.6 Auswertung und Dokumentation []

Die Auswertung erfolgt entsprechend den in Abbildung 4.6-1 dargestellten Kennwerten.
Die statische bzw. die dynamische Pyramidendurchdrückkraft eines Einzelversuches entspricht dem maximalen erreichten Wert der Durchdrückkraft oder jener Kraft, die bei einem Vorschubweg von 60 mm gemessen wurde und wird in Newton angegeben. Als Kennwert einer Geotextiltype sind die arithmetischen Mittelwerte Fstat und Fdyn zu berechnen.
Produkte, welche ein Kraftmaximum bei einem Vorschubweg von weniger als 30 mm aufweisen, entsprechen nicht den Anforderungen für die Verwendung als Trenn- und Verstärkungsgeotextil im Unterbau des Straßenbaus.
Im Prüfbericht sind die statische Pyramidendurchdrückkraft Fstat und die dynamische Pyramidendurchdrückkraft Fdyn sowie die aus den Ergebnissen der Einzelversuche berechnete Standardabweichung und der Variationskoeffizient anzugeben. Gegebenenfalls entsprechen Fstat bzw. Fdyn der Kraft, welche bei einem Vorschubweg von 60 mm aufgezeichnet wurde. Eine graphische Darstellung der Versuchskurven ist dem Prüfbericht beizulegen.

 
Kennwerte  
Abbildung 4.6-1: Kennwerte

 
Typische an einem Geotextil ermittelte dynamische und statische Versuchskurven sind in Abbildung 4.6-2 dargestellt. Ergänzend sind in Abbildung 4.6-3 die Prüfergebnisse der gesamten Geotextil-Produktreihe in Abhängigkeit vom Flächengewicht aufgetragen. Es zeigt sich, daß die Kraftmaxima mit zunehmendem Flächengewicht ansteigen. Die einzelnen Werte des statischen und des dynamischen Versuches weichen nur geringfügig von der im Diagramm eingetragenen Trendlinie (lineare Regression) ab.

 
Typische Versuchskurven des dynamischen und des statischen Pyramidendurchdrückversuches  
Abbildung 4.6-2: Typische Versuchskurven des dynamischen und des statischen Pyramidendurchdrückversuches  
Dynamische und statische Pyramidendurchdrückkraft in Abhängigkeit vom Flächengewicht  

Abbildung 4.6-3: Dynamische und statische Pyramidendurchdrückkraft in Abhängigkeit vom Flächengewicht

 

5 VERSUCHSERGEBNISSE []

Für eine vereinfachte Darstellung der Kurvenscharen können die Meßergebnisse der Einzelversuche in normierter Form dargestellt werden; die während des Versuches kontinuierlich aufgezeichneten dynamischen oder statischen Kraftwerte werden auf die gemessene Pyramidendurchdrückkraft Fmax bezogen und die Vorschubwerte auf das Wegmaximum umax. Hierdurch ergeben sich die Wertepaare
0 < F / Fmax 1 und
0 < u / umax 1
aus welchen ein Mittelwert gebildet werden kann. Typische normierte Versuchskurven eines dynamischen Pyramidendurchdrückversuches sowie der hieraus berechnete Mittelwert sind aus Abbildung 5-1 ersichtlich.

 
Normierte Darstellung der Versuchskurven; Mittelwertbildung  
Abbildung 5-1: Normierte Darstellung der Versuchskurven; Mittelwertbildung

 
Durch Multiplikation mit den, aus den Ergebnissen der Versuchsreihe berechneten Mittelwerten ergeben sich sowohl eine dynamische als auch eine statische Versuchskurve welche ein Geotextil charakterisieren (siehe Abbildung 5-2).
Der Vergleich der Versuchsergebnisse zeigt, daß bei dynamischer Beanspruchung im Regelfall geringere Pyramidendurchdrückkräfte erreicht werden als bei statischer Belastung. Der Vorschubweg umax, dyn des dynamischen Kraftmaximums ist meist geringfügig höher als u max, stat.
Als Entscheidungskriterium für die Auswahl eines geeigneten Geotextils sind einerseits die zu erwartenden Verformungen andererseits die hierbei eintretende Abminderung infolge dynamischer Beanspruchung von Bedeutung.
 
Dynamische und statische Pyramidendurchdrückkraft; Charakteristische Versuchskurven  
Abbildung 5-2: Dynamische und statische Pyramidendurchdrückkraft; Charakteristische Versuchskurven

 
Im Straßen- bzw. Gleisbau beeinflussen im Wesentlichen die Kornabstufung, Größe und Kornform des Schüttmaterials sowie die Lagerungsdichte, der Verdichtungsgrad und die Steifigkeit von Tragschichte und anstehendem Untergrund die Verformungen und Dehnungen des Geotextils (siehe auch Abbildung 5-3). Die Einflußdauer, Art und Größenordnung der dynamischen Belastung ist abhängig von den Anforderungen an die Konstruktion sowie der Art- und Weise der Baudurchführung.

 
Einfluß von Kornabstufung, Korndurchmesser und Verdichtungsgrad auf die Geotextil-Verformung  
Abbildung 5-3: Einfluß von Kornabstufung, Korndurchmesser und Verdichtungsgrad auf die Geotextil-Verformung

 

Für eine detaillierte Beurteilung ist es daher erforderlich den Einfluß der dynamischen Lastkomponente in Abhängigkeit von der Verformung zu betrachten. Dementsprechend wurden einerseits die Differenz aus dynamischen und statischen Kraft-Werten

 

 
6 ZUSAMMENFASSUNG []


Geotextilien werden im Erdbau als Trenn- und Filterlage sowie als zugfeste Bewehrung eingesetzt. Die größte Beanspruchung erfolgt im Regelfall während des Einbaus, wobei insbesondere der Durchdrückwiderstand gegenüber statischen und dynamischen Lasten von Bedeutung ist.
Mit dem vorgestellten Pyramidendurchdrückversuch besteht eine Versuchseinrichtung welche es erlaubt, sowohl statischen als auch dynamische Belastungen zu simulieren. In Kombination mit althergebrachten Geotextilprüfungen, welche meist aus der Textilindustrie übernommen wurden, ergeben die Prüfergebnisse ein Beurteilungskriterium für die technisch begründete Auswahl eines geeigneten Geotextil-Typs. In den Technischen Vertragsbedingungen der RVS 8S.01.2 sind in Abhängigkeit vom verwendeten Schüttmaterial und der Steifigkeit des Untergrundes entsprechende Grenzwerte angeführt.
Eine detaillierter Betrachtung der Versuchsergebnisse zeigt, daß die Abminderung des Arbeitsvermögens infolge dynamischer Belastung abhängig von der Geotextil-Verformung bzw. Dehnung ist. Die Ergebnisse des Pyramidendurchdrückversuches stellen somit eine geeignetes Bemessungskriterium für alle Fragestellungen, bei denen dynamische Lasten von Bedeutung sind, dar.


 
7 LITERATUR []
  • RVS 8S.01.2: Technische Vertragsbedingungen - Baustoffe - Geotextilien im Unterbau; Ausgabe Oktober 1997. Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten; Forschungsgesellschaft für das Verkehrs- und Straßenwesen
  • RVS 8.63: Straßenplanung - Bautechnische Details - Oberbaubemessung; Ausgabe Juli 1997. Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten; Forschungsgesellschaft für das Verkehrs- und Straßenwesen
  • RVS 8S.05.11: Technische Vertragsbedingungen - Oberbauarbeiten (ohne Deckenarbeiten) - Ungebundene Tragschichten; Ausgabe Juli 1997. Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten; For-schungsgesellschaft für das Verkehrs- und Straßenwesen
  • RVS 8.24: Technische Vertragsbedingungen für Straßenbauten - Erdarbeiten; Ausgabe November 1979. Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten; Forschungsgesellschaft für das Verkehrs- und Straßenwesen
  • ÖNORM EN ISO 12236: Geotextilien und geotextilverwandte Produkte - Stempeldurchdrückversuch. (CBR-Versuch); Ausgabe Mai 1996
  • ÖNORM EN 918: Geotextilien und geotextilverwandte Produkte - Dynamischer Durchschlagversuch (Kegelfallversuch); Ausgabe Februar 1996
  • ÖNORM S 2076: Deponien - Dichtungsbahnen aus Kunststoff - Verlegung; Ausgabe 1993
  • ASTM D 5494-93: Standard Test Method for the Determination of Pyramid Puncture Resistance of Unprotected and Protected Geomembranes. Ausgabe Jänner 1994
  • Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, Arbeitsgruppe Erd- und Grundbau: Merkblatt für die Anwendung von Geotextilien und Geogittern im Erdbau des Straßenbaus, Ausgabe 1994
  • Beyer, H. und Nimmesgern, M. (1994): Zur Wirkungsweise von Geotextilien und Geokunststoffen im ungebundenen Straßenbau. Straße + Autobahn 7, S. 373-378
  • Laier, H. und Bräu G. (1986): Einsatz von Geotextilien im Verkehrswegebau bei intensiver dynamischer Beanspruchung. 3rd intern. Confe-rence on Geotextiles, S. 99-104, Wien 1986
  • Floss, R. und Bräu, G. (1988): Geotextilien in Baufahrstraßen. 1. Kongreß Kunststoffe in der Geotechnik,
    K-GEO S. 55-68, Hamburg 1988
  • Kisskalt, J. und Kossendey, T. (1994): Untersuchungen zur Langzeitfilterwirksamkeit von Geotextilien unter statischer und dynamischer Beanspruchung. Straße + Autobahn 4, S. 187-192
    Resl, S. (1994): Geokunststoffe. Polyfelt Ges.m.b.H.
 

Kontakt []

Dipl.-Ing. Dr. Martin Moser
BauR h.c. Dipl.-Ing. Dr. Helfried Breymann

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Tel.Nr.: +43 (0)662 621758-0
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