Bautechnische Versuchs- und Forschungsansatlt Salzburg
Bautechnische Versuchs- und Forschungsanstalt Salzburg
Akkreditierte Prüf-, Überwachungs- und Kalibrierstelle
Akkreditiert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten und das Österreichische Institut für Bautechnik (OIB) nach
ÖVE/ÖNORM EN ISO/IEC 17025, EN 45004 - Notified Body Nr. 1086

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© 01/2000 BauR h.c. Dipl.-Ing. Herbert Kaltenböck

Anmerkungen zur künftigen europäische Betonnorm ÖNORM EN 206

1.

Allgemeines

2.

Betonsorten

3.

Frischbeton

3.1 Konsistenzklassen

3.2 Sonstiges

4.

Erhärteter Beton
5. Das k-Wert Konzept
5.1 Allgemeines
5.2 Flugasche

5.3 Mikrosilika
6. Kernfeuchte der Zuschläge

7.

Zusammenfassung

Korrespondenz


1. Allgemeines

Im Rahmen der Harmonisierung der „Technischen Regeln" im Europäischen Wirtschaftsraum liegt ein europäischer Entwurf über „Beton, Eigenschaften, Herstellung und Konformität" (Specification, performance, production and confomity) vor, der zur Zeit als ÖNORM EN 206 auf österreichische Verhältnisse adaptiert wird.

Für den Betonanwender bringt die künftige Betonnorm keine wesentlichen materiellen Änderungen, die eine Umsetzung erheblich behindern würde. Dies ist verständlich, ist doch die Wissenschaft der Betontechnologie nicht davon berührt. Trotzdem wird man sich an die eine oder andere Betrachtungsweise gewöhnen müssen und ist ein - wenngleich auch bescheidener - Umdenkprozess erforderlich.

2. Betonsorten

Von dem bei uns gut eingeführten Begriff der Betonsorten wird man sich nicht verabschieden, doch werden die Betone in einer etwas veränderten - inhaltlich jedoch gleichen -Weise angesprochen. Künftig spricht man von Expostionsklassen (auch Umweltklassen genannt), denen betontechnologische Beschreibungen zugeordnet sind. Tabelle 1 gibt eine Übersicht über die Expositionsklassen.

Tabelle 1: Expositionsklassen EN 206

Expositions-

klasse

Beschreibung

Stufen

1

Kein Korrosions- und Angriffsrisiko

X0

2

Korrosion ausgelöst durch Karbonatisierung und Dichtigkeit des Betongefüges

XC1 XC2 (XC3 XC4)

3

Korrosion, verursacht durch Chloride

XD1 XD2 XD3

(4)

(Korrosion verursacht durch Chloride aus Meerwasser)

(XS1 XS2 XS3)

5

Frostangriff mit und ohne Taumittel

XF1 XF2 XF3 XF4

6

Chemischer Angriff

XA1 XA2 XA3

7

Verschleißbeanspruchung

XM1 XM2 XM3

Jeder Expositionsklasse ist eine Belastungsstufe zugeordnet, die die Beanspruchung des Betons in der Nutzung beschreibt. In den beispielhaften folgenden Tabellen 2 und 3 sind Expositionsklassen 3 und 5 (die Expositionsklasse 4 bezieht sich nur auf Betone im Meerwasser) mit den zugehörigen Stufenbeschreibungen wiedergegeben.

Tabelle 2: Expositionsklasse 3:

Klasse

Beschreibung der Umgebung

Beispiel

3 Korrosion verursacht durch Chloride

XD1

mäßige Feuchte

Betonoberflächen, die chloridhaltigem Sprühnebel unmittelbar ausgesetzt sind

XD2

naß, selten trocken

Schwimmbäder, Beton , der chloridhaltigen Industriewässern ausgesetzt ist

XD3

wechselnd naß/trocken

Teile von Brücken; Fahrbahndecken, Parkdecks

Tabelle 3: Expositionsklasse 5:

Klasse

Beschreibung der Umgebung

Beispiel

5 Frostangriff mit und ohne Taumittel

XF1

mäßige Wassersättigung ohne Taumittel

senkrechte Betonoberflächen, die Regen und Frost ausgesetzt sind

XF2

mäßige Wassersättigung mit Taumittel

senkrechte Betonoberflächen von Straßenbauwerken, die in der Luft enthaltenen Taumitteln ausgesetzt sind

XF3

hohe Wassersättigung ohne Auftaumittel

waagrechte Betonoberflächen, die Regen und Frost ausgesetzt sind und dem Frost ausgesetzte Wasserbauten (z. B. Kläranlagen)

XF4

hohe Wassersättigung mit Auftaumittel

Straßendecken, Brückenplatten und Verkehrsleitwände, die Taumitteln ausgesetzt sind. Senkrechte und waagrechte Betonoberflächen, die taumittelhaltigen Spritz- und Sprühnebel und Frost ausgesetzt sind

Für jede der Expositionsklassen und Stufen gibt es künftig in Österreich ein „Nationales-Anhang-Dokument", kurz NAD genannt, in dem in Abhängigkeit von der Stufe die betontechnologischen Anforderungen vorgegeben sind, so wie dies bisher auch in der ÖNORM B 4200, Teil 10 ähnlich war.

Tabelle 5: Grenzwerte (GK22) für zusammensetzung, Eigenschaften von Beton und Verwendung der Zemente bei den verschiedenen Umweltklassen

  

XC1

XC2

XC3

XC4

XD2

XD3

XF1

XF2

XF3

XF4

XA1

XA2

XA3

XA1

XA2

XA3

XM1

XM2

XM3

max. W/B-Wert

0,70

0,65

0,60

0,50

0,55

0,45

0,55

0,50

0,55

0,45

0,55

0,50

0,45

0,55

0,50

0,45

0,55

0,45

0,45

anrechen-
barer Bindemittel-
gehalt (kg/m3)

260

260

280

300

300

320

300

320

300

340

300

320

360

300

320

360

300

340

340

Luftgehalt mind. (%)

-

-

-

-

-

-

-

2,5 1)

2,5 1)

4,0 1)

-

-

-

-

-

-

-

-

-

andere Anforder-
ungen

  

  

  

  

  

  

frost-tausalz-beständige Zuschläge

lösender Angriff 6)

Sulfatangriff 6)

C30/37

7a)

C30/37

7b)

C35/45

7c)

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

doppelte Nach-
behandlung

CEM I

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+ 1)

+ 2)

+ 3)

  

  

  

CEM II/A-S

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

-

-

-

+

+

+

Cem II/A-V

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

-

-

-

+

+

+

CEM II/A-W

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

-

-

-

+

+

+

CEM II A-/L

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

-

-

-

+

+

+

CEM II/A-M

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

-

-

-

+

+

+

CEM II/B-S

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

-

-

-

+

+

+

CEM II/B-V

+ 4)

+ 4)

+

+

+

+

+

Δ 5)

+

Δ 5)

+

+

+

-

-

-

+

+

+

CEM II/B-L

+ 4)

+ 4)

+ 4)

+ 4)

+ 4)

+ 4)

Δ 5)

Δ 5)

Δ 5)

Δ 5)

-

-

-

-

-

-

+

+

+

CEM II/B-M

+ 4)

+ 4)

+ 4)

+ 4)

+ 4)

+ 4)

Δ 5)

Δ 5)

Δ 5)

Δ 5)

+

+

+

-

-

-

+

+

+

CEM III/A

+ 4)

+ 4)

+ 4)

+ 4)

+

+

+

-

+

-

+

+

+

+

-

-

+

+

+

CEM III/B

+ 4)

+ 4)

+ 4)

+ 4)

+ 4)

+ 4)

-

-

-

-

+

+

+

+

-

-

+

+

+

(+ = einsetzbar, - = nicht einsetzbar,Δ = mit Nachweis gem. Fußnote 5) einsetzbar)


3. Frischbeton

3.1 Konsistenzklassen

Die Konsistenz wird ähnlich wie bisher gewohnt durch das Verdichtungsmaß (Tabelle 6) und das Ausbreitmaß (Tabelle 7) in Form von Zielwerten beschrieben.

Tabelle 6: Verdichtungsmaß

Klasse

Zielwert

Beschreibung

C0

C1

C2

$ 1,46

1,45 bis 1,26

1,25 bis 1,11

sehr steif

steif

steif-plastisch

Tabelle 7: Ausbreitmaß

Klasse

Zielwert

Beschreibung

F 2

F 3

F 4

F 5

F 6

F 38

F 45

F 52

F 59

F 66

plastisch

weich

sehr weich

fließfähig

sehr fließfähig

Das Ausbreitmaß F wird künftig in „mm" angegeben.

3.2 Sonstiges

In Österreich werden darüber hinaus auch noch zwei weitere Eigenschaftsklassen eingeführt. Es sind dies

  • Wärmentwicklungsklassen (W40, W45 und W55)

und

  • Beton mit geringer Blutneigung (BL).

4. Erhärteter Beton

Folgende Tabelle 8 gibt auf der linken Seite die neuen Festigkeitsklassen wieder, rechts davon die Zuordnung zu den bestehenden Festigkeitsklassen. Die Würfelproben werden unverändert wie bisher normgelagert.

Die bisherigen Festigkeitsklassen sind gegenüber den neuen Festigkeitsklassen „C x/x" nur ungenügend kompatibel.

Tabelle 8: Festigkeitsklassen an 15 cm Würfel (links) für Normal- und Schwerbeton und Vergleich mit den gegenwärtigen Festigkeitsklassen

Druckfestigkeit von 15 cm-Würfel

Festigkeitsklasse

Festigkeitsklasse

mindestens

Mittelwert v. 3 Proben

ÖNORM B 4200,T.10

EN 206

C8/10

7

15

-

C8/10

 

  

 

B8/B80

-

C12/15

12

20

B12/B120

C12/15

C16/20

18

26

B15/B160

C16/20

C20/25

23

31

B20/B225

C20/25

 

 

 

B 25

-

C25/30

29

37

-

C25/30

 

 

 

B30/B3300

-

C30/37

36

44

-

C30/37

 

 

 

B40/B400

-

C40/50

50

58

-

C40/50

 

 

 

B50/B500

-

C45/55

56

64

-

C45/55

C50/60

61

69

-

C50/60

 

 

 

B60/B600

-

C55/67

67

75

-

C55/67

C60/75

75

83

 

 

C70/85

85

93

 

 

C80/95

96

104

 

 

C90/105

106

114

 

 

C100/115

117

125

 

 

 

5. Das k-Wert Konzept

5.1 Allgemeines

Die Verwendung (maximale Menge) und Anrechenbarkeit von hydraulischen Zusatzstoffen als Wasser/Bindemittel-Wert (Wasser / Zement + hydraulischer Zusatzstoff = W/B-Wert) wird zementabhängig neu geregelt.

5.2 Flugasche

Die maximal zulässige Zugabemenge von Flugasche ist in Tabelle 9 wiedergegeben.

Bei Zement CEM I 32,5 darf 20% (k-Wert 0,2) des zugegebenen hydraulischen Zusatzstoffes dem Zement zugerechnet werden und daraus der W/B-Wert berechnet werden.

Bei Zement CEM I 42,5 und höher darf 40% (k-Wert 0,4) des zugegebenen hydraulischen Zusatzstoffes dem Zement zugerechnet und daraus der W/B-Wert berechnet werden.

In Österreich sind die vorstehenden k-Werte auch zulässig für Beton, der Zement CEM II nach EN 197-1 enthält, Für Zement der Festigkeitsklasse 32,5 R darf k = 0, 4 für Flugaschen mit einem Aktivitätsindex von mindestens 85 % nach 90 Tagen in Rechnung gestellt werden. (Der Aktivitätsindex von 85 % nach 90 Tagen gilt bei einem Aktivitätsindex von mindestens 80 % nach 28 Tagen als nachgewiesen.)

Für Zemente CEM III, CEM IV und CEM V ist eine Anrechnung unzulässig.

Bei bestimmten Betonen ist jedoch Verwednung und Anrechenbarkeit der Flugasche nicht zulässig (z.B. bei den Expositionsklassen XA2 und XA3).

Tabelle 9: Maximal zulässige Zugabemenge von Flugasche

Zement

max. Zugabe hydraulischer Zusatzstoffe

CEM I

CEM II/A 32,5

CEM II/A 42,5

CEM II/B 32,5

CEM II/B 42,5

25 %

15 %

20 %

0 %

10 %

 

5.3 Mikrosilika

Die Höchstmenge an Mikrosilika, die auf auf den W/Z-Wert und den Zementgehalt angerechnet werden darf muß der Bedingung genügen:

Mikrosilika / Zement # 0,11.

Bei gemeinsamer Verwendung von Mikrosilika und anderen hydraulisch wirksamen Zusatzstoffen ist der Anteil an Mikrosilika mit dem Faktor 3 zu berücksichtigen. Die daraus errechnete Gesamtmenge darf die bei den anderen hydraulisch wirksamen Zusatzstoffen festgelegten Höchstwerte nicht überschreiten.

Wird Silikastaub zugegeben, ist ein Verflüssiger oder ein F4ießrnittel zu verwenden, um die Verteilung des Silikastaubes im Beton sicherzustellen.

6. Kernfeuchte der Zuschläge

Ab einem Gehalt von mehr als 0,5 Masseprozent kann die Kernfeuchte einer Zuschlagfraktion bei der Bestimmung des Wassergehaltes bzw. W/B-Wertes durch Trocknen des Betons (z. B. mit Mikrowellenverfahren gemäß ÖNORM 8 3326) bis zur Massekonstanz berücksichtigt und in Rechnung gestellt werden mit:

Kemfeuchte in Masseprozent - 0,5 Vol.-% (WK - 0,5 %).

Dies darf jedoch nur dann geschehen, wenn diese Kernfeuchte im Zuge der Eignungsprüfung von einer akkreditierten Prüfstelle bestimmt und bestätigt wurde. Beim Komanteil bis 4 mm erfolgt hiebei die Beurteilung der Oberflächentrockenheit nach dem Kegelstandsverfahren gemäß ASTM C 127188.

Bei wirksamen Wassergehalten (einschließlich Zusatzmittel) über 210 l/m3 bei GK 22 (anderes Größtkorn sinngemäß) ist nachzuweisen, daß das Schwinden keinen negativen Einfluß auf die Gebrauchstauglichkeit des Bauwerkes ausübt. Bei zu erwartenden negativen Einflüssen auf die Gebrauchstauglichkeit ist eine vergleichende Schwindprüfung gemäß ÖNORM B 3303 durchzuführen.

7. Zusammenfassung

Angeführt wurden eine Reihe von Veränderungen, die mit der neuen europäischen Betonnorm erwartet werden. Ob sie vollständig in der genannten Form oder modifiziert wirksam werden kann erst nach dem Erscheinen der endgültigen Fassung der EN 206 gesagt werden.

Korrespondenz:

BauR h.c. Dipl.-Ing. Herbert Kaltenböck
Zivilingenieur für Bauwesen 
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A-5020 Salzburg

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Fax : +43 (0)662 621758-199

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