©
1993 Dipl.-Ing. Norbert Glantschnigg
Der statische Elastizitätsmodul von Recyclingbeton und seine
Berücksichtigung bei der Bemessung von Stahlbetonbauteilen
Die
ersten Eignungsprüfungsergebnisse für Betone mit Zuschlägen
aus wiederaufbereiteten Hochbaurestmassen zeigten tendentiell
etwas niedrigere E-Moduli als bei vergleichbaren Normalbetonen.
Es war daher zu untersuchen, ob und wieweit bei der Dimensionierung
von Stahlbetonbauteilen aus Recyclingbetonen besondere E-Modul-Rechenwerte
zu berücksichtigen sind.
Die
Rechenwerte des E-Modules von Beton für die Ermittlung von
Verformungen von Stahlbetontragwerken bei Druck-, Zug- und
Biegebeanspruchung unter Gebrauchslast sind der ÖNORM B
4200, Teil 4 (3) zu entnehmen.
Diese Rechenwerte sind auf die Würfeldruckfestigkeit des
Betons nach 28 Tagen Erhärtung bezogen, wie sie auch für
Spannungsnachweise herangezogen werden.
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Festigkeitsklasse
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Elastizitätsmodul
in N/mm²
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B
160
|
22.000
|
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B
225
|
26.000
|
|
B
300
|
30.000
|
|
B
400
|
35.000
|
|
B
500
|
39.000
|
|
B
600
|
43.000
|
Die
Werte der Tabelle sind auf die Würfelfestigkeit nach 28
Tagen Erhärtung bezogen. Für Beton anderen Alters darf der
E-Modul in [N/mm²] nach der Formel
Eb = 5475 multipliziert mit Wurzel aus W
berechnet werden, wobei W die Würfelfestigkeit in [N/mm²]
ist.
Abb.1: Tabelle aus ÖNORM B 4200, Teil 4 (1984) (3)
Die
"jüngere" ÖNORM B 4200, Teil 3 für die Berechnung
und Ausführung von Betonbauwerken (2) weist zusätzlich darauf
hin, daß andere Werte des E-Modules zu berücksichtigen sind,
wenn diese durch Versuche gemäß ÖNORM B 3303 festgestellt
wurden.
Keine der ÖNORMEN (2) und (3) gibt einen direkten Hinweis
auf die Abhängigkeit der E-Modul-Rechenwerte von der Verwendung
besonderer Zuschläge, insbesondere von Recyclingzuschlägen.
Der
EUROCODE 2 (veröffentlicht als ÖNORM ENV 1992-1-1 im Dezember
1992) (5) enthält die Anmerkung, daß der E-Modul von Beton
nicht nur von seiner Festigkeitsklasse, sondern auch von
den Eigenschaften der verwendeten Betonzuschläge abhängig
ist.
Bei
Verwendung unbekannter Betonzuschläge wird empfohlen, obere
und untere Grenzwerte für den E-Modul zu berücksichtigen.
Im
Bundesland Salzburg wurde mit der Anwendung von Recyclingbetonen
aus dem Transportbetonwerk für den "Normalverbraucher"
bereits begonnen. Für die Herstellung der Recyclingbetone
werden naß aufbereitete Hochbaurestmassen mit der Zusammensetzung
gemäß Abb.2 in den Körnungen 0/4, 4/16 und 16/32 verwendet.
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Recyclingzuschläge
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Materialbezeichnung
|
Anteil
in Masse-%
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|
Beton
+ Zuschläge
|
75
bis 90
|
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Ziegel
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5
bis 12
|
|
Putz
|
5
bis 12
|
|
Holz
|
*)
|
|
Metall
|
*)
|
|
Plastik
|
*)
|
|
Baukeramik
|
1
bis 2
|
|
Glas
|
*)
|
|
Sonstiges
|
*)
|
Abb.2:
Recyclingzuschläge
aus naß aufbereiteten Hochbaurestmassen
Mit
diesen Zuschlägen werden "gängige" Recyclingbetonsorten
für die Anwendung in Beton- und Stahlbetonbauteilen im Hochbau
(Fundamente, Wände, Decken, Stützen) hergestellt. Derzeit
nicht vorgesehen ist die Verwendung von Recyclingbetonen
für vorgespannte Tragwerke und/oder bei Frost-Tausalz-Angriff.
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Recyclingbetone
|
|
Festigkeitsklassen
|
B160
bis B300
|
|
besondere
Eigenschaften
|
PB
|
|
Anteil
Recyclingzuschläge
|
20
bis 50 %
|
|
Beispiel:
B 300/s/GK32/K3/PB/LPV/PZ 275(H)
|
Abb.3:
Recyclingbetone
für "Normalverbraucher" aus dem Transportbetonwerk
Für
den Konstrukteur und Statiker ist es interessant, ob und
wieweit bei Verwendung von Recyclingbetonen andere Rechenwerte
des E-Modules zu berücksichtigen sind, als bei Normalbetonen.
Ein
Vergleich der "gängigen" Recyclingbetonsorte B
300 mit ähnlichen Normalbetonen ist in Abb.4 dargestellt.
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|
Recyclingbeton
B 300
|
Vergleichbare
Normalbetone
|
Rechenwerte
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|
Zementgehalt
[kg/m³]
|
340
|
309
bis 365
|
---
|
|
W/Z
- Wert
|
0,52
*)
|
0,48
bis 0,53
|
---
|
|
Luftgehalt
[Vol-%]
|
2,5
|
1,6
bis 2,8
|
---
|
|
Würfeldruckfestigkeit
(28 Tage)
[N/mm²]
|
49,6
|
38,2
bis 44,9
|
30
|
|
E-Modul
(28 Tage)
[N/mm²]
|
36.200
|
35.000
bis 37.600
(Mittel 36.500)
|
30.000
|
Wirksamer
W/Z - Wert ohne Berücksichtigung der Zuschlag - Kernfeuchte
Abb.4: Vergleich
von Recyclingbeton mit Normalbetonen gleicher Sorte
Die
Würfeldruckfestigkeit dieses Recyclingbetons liegt deutlich
über der Druckfestigkeit der "Normalbetone" und
erheblich über dem Rechenwert der Druckfestigkeit für die
Festigkeitsklasse B 300.
Der
E-Modul des Recyclingbetons ist tendentiell etwas niedriger
als die E-Moduli der "Normalbetone", insbesondere
wenn man seine höhere Druckfestigkeit berücksichtigt.
Die
in Abb.1 ausgewiesene Formel für die Berechnung des Elastizitätsmodules
für Beton anderen Alters (als nach 28 Tagen) aus seiner
Würfeldruckfestigkeit ist daher für Recyclingbeton nicht
anwendbar.
Vergleicht
man den Rechenwert des E-Modules gemäß ÖNORM B 4200, Teil
4 mit dem geprüften E-Modul des Recyclingbetons, so ist
zu erkennen, daß die Abweichung vom Rechenwert in der gleicher
Größenordnung liegt, wie für den E-Modul der "Normalbetone".
Nach
dem derzeitigen Kenntnisstand können die in den ÖNORMEN
(2) und (3) festgelegten Rechenwerte für die E-Moduli von
Betonen bestimmter Festigkeitsklassen gemäß Abb.1 auch für
die Dimensionierung von Stahlbetontragwerken aus Recyclingbeton
herangezogen werden.
Bei dieser Vorgangsweise sind unzulässig große Verformungen
der Bauteile nicht zu befürchten.
Möglich ist es auch, Bauteile aus Recyclingbeton mit Bauteilen
aus Normalbeton miteinander zu kombinieren (z.B. Wände aus
Recyclingbeton mit Decken aus Normalbeton).
Für
die Angabe der tatsächlichen Streubereiche der E-Moduli
von Recyclingbetonen liegen derzeit noch zu wenig Daten
vor, weshalb eine besonders dichte Güteüberwachung der Herstellung
von Recyclingzuschlägen und Recyclingbetonen unbedingt erforderlich
ist.
Voraussetzung
für die gezielte Anwendung von Recyclingbetonen ist auch
eine erweiterte Eignungsprüfung. Dabei sind die Besonderheiten
der Recyclingzuschläge zu berücksichtigen.
1)
Zeugnisse der staatlich autorisierten BAUTECHNISCHEN VERSUCHS-
UND FORSCHUNGSANSTALT SALZBURG, 1993/94
(2)
ÖNORM B 4200, Teil 3 "Betonbauwerke, Berechnung und
Ausführung", 1. Juni 1986
(3)
ÖNORM B 4200, Teil 4 "Stahlbetontragwerke, Grundlagen
der Berechnung", 1. August 1984
(4)
ÖNORM B 4200, Teil 10 "Beton, Herstellung und Überwachung",
1. Jänner 1983
(5)
ÖNORM ENV 1992-1-1 "Eurocode 2: Planung von Stahlbeton-
und Spannbetontragwerken, Teil 1-1: Grundlagen und Anwendungsregeln
für den Hochbau", VORNORM 1. Dezember 1992
Dipl.-Ing.
Norbert Glantschnigg
Zivilingenieur für Bauwesen
Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger
Bautechnische Versuchs- und Forschungsanstalt Salzburg
(bvfs)
Alpenstraße 157
A-5020 Salzburg
Tel.Nr.:
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